Montag, 5. August 2013

Schauen, Staunen, freuen & auf und ab über dem Meer

Der heutige Tag ist einmal mehr ein sehr sonniger, nur ab und zu zieht mal ein Wolkenband vorbei. In Stø befinden wir uns etwas über dem 69. Breitengrad. Kaum zu glauben kommt man derart ins Schwitzen bei einem Aufstieg auf 350 müM und das mit kurzen Hosen. Gabi hat sich entschieden in die Höhe zu steigen, die Gefahr seekrank zu werden ist zu gross. Der Myrtinden, der Hausberg von Myre, bietet eine Prachtsaussicht auf das Sumpfland in der Umgebung von Myre, die Berge der nahen Inseln, die Fjorde und den offenen Atlantik. Herrlich!


die Eindrücke von Gabi heute 

Vögel, Seehunde, Wale. Das heutige Tagesprogramm von Urs versprach Spannung. Ab Stø bin ich auf einem Walbeobachtungsboot in See gestochen. Gabi wollte wie erwähnt keine Fische füttern und blieb an Land. Eine kurze Einführung in die zu erwartende Tierwelt war spannend. Wieso es hier Wale hat? Weil es im Meer eine rund 2km tiefe Schlucht hat. Rundherum ist das Wasser "nur" um die 500m tief. Die Strömung drückt abgestorbene Biomasse aus der Schlucht nach oben. Verbunden mit dem vom Golfstrom warmen Wasser (wobei das relativ ist: jetzt ist das Wasser ca. 10 Grad "warm") und fast 24 Std. Licht pro Tag, gibt das viel Nahrung für Fische wie Dorsch, Hering und mehr. Das wiederum zieht die Wale an. Und die Touristen. Die Führer an Bord sind alles Meeresbiologen. Sie wissen viel und geben das an die Gäste weiter. Rund 50 Personen sind mit dabei. Es hat genug Platz, auch zum Fotografieren.


Das Meer ist zu Beginn sehr ruhig. Die Sonne scheint. Perfekte Verhältnisse. Was mir gefällt. Ich schlucke sicherheitshalber Tabletten gegen Seekrankheit. Sicher ist sicher. Und siehe da: später gab es Wolken und der Wind frischte auf. Was mehr Wellen produzierte. Es war aber in Ordnung.


Kurz nach dem Auslaufen ein kurzer Stopp an der Insel Anda. Einem Vogelschutzgebiet. Hier nisten zum Beispiel über 15’000 Papageientaucher. Bloss waren die heute im Ausgang oder in der Luft. Die Vögel sind relativ klein. Das Schiff bewegt sich. Und so gibt es wohl kein schlaues Foto von den Viechern. Ich muss versuchen, sie mal an Land zu treffen. Dafür hielten die Kormorane still und den Seehunden war das Schiff ebenfalls egal. Die Möven haben wir in Stø frei Haus. Eine kleine Kolonie brütet im Dorf. Tausende von Verwandten nisten draussen auf der Insel.


Zur Schlucht fahren wir 2 Std. Wo es Pottwale hat. Ich bin extrem gespannt. Hier oben im Nordmeer gebe es ca. 400 Pottwale. Alles ältere Männchen. Die Damen ziehen es vor, im warmen Wasser in Äquatornähe zu baden. Nur die harten Männer lieben es eisig. Nach einigen Jahren, wenn sie vom vielen Fisch hier oben kräftig und dick sind, schwimmen die Männer ebenfalls gen Süden.



Und schlussendlich fand es statt. Das Gipfeltreffen der drei Beobachtungsboote. Zwei aus Andenes und unseres. Mit Sonar lauschen die Kapitäne,  wo die Wale stecken. Und finden sie zielsicher. Zwei der Tiere waren da. Bald sahen wir einen der Pottwale blasen. Und einige Minuten später holte er Anlauf um zu tauchen. Der Moment, auf den wohl 150 Leute warteten. Dann hält der Wal die Schwanzflosse in die Luft und taucht. Und es geschah: Flosse in die Höhe, die Fotoapparate klickten und der Wal war weg. Nicht einfach, ein Bild zu schiessen. Denn das Schiff schaukelte auf den Wellen. Die Andenes Fraktion entschwand dann gen Festland. Unser Boot wartete den Tauchgang des Wals ab. 45 Minuten später kam er wieder hoch. Dasselbe Schauspiel noch einmal. Schön anzusehen und eindrücklich. Ist das Tier doch ein Riesenteil. Nach einigen Minuten blasen tauchte der Wal wieder. Und wir drehten ab und fuhren nach Stø zurück. Der ganze Trip dauerte rund 8 Stunden. Trotz Schaumkronen auf den Wellen spürte ich keinerlei Übelkeit. Super. Ich glaube, so eine Unternehmung mache ich wieder einmal. 

Der unschöne Teil des Tages kam dann nach der Rückkehr. Als ich feststellte, dass meine Kamera eine Störung hat. Der USB-Anschluss stellt sich tot. Da ich keinen Kartenleser mit dabei habe, komme ich nicht an meine Aufnahmen der Vögel, Seehunde und dem Wal. Der Ärger ist gross. Ich werde versuchen, am Dienstag in Myre, dem grösseren Ort hier in der Nähe, einen Kartenleser zu beschaffen. Ich hoffe, die CF-Karte lasse sich dann lesen. Damit ich meine Bilder verarbeiten kann. Wenigstens kann ich weiter fotografieren mit meiner digitalen Spiegelreflex. Die Reparatur muss dann warten bis zur Rückkehr in die Schweiz. 


Und oh wunder. Ich habe den wohl einzigen Kartenleser im Umkreis von 50 km gefunden und gekauft. Somit komme ich wieder an meine Bilder! 



Impressionen von der Walfahrt


Einen Pottwal haben wir gesehen. Auf dem Bild oben links bläst der Wal aus; rechts sieht man schön das Atemloch an der linken, vorderen, Seite des Kopfes. Unten links die Finne (Rückenflosse) und unten rechts die Schwanzflosse 
Ein Film von 22 Sekunden mit Papageientauchern in der Hauptrolle findet sich hier: Kurzfilm Papageientaucher