Sonntag, 29. September 2013

Und wir sind wieder daheim

Wir sind wieder daheim! Und am Material sortieren, waschen, vorbereiten für den Wiedereinstieg in den Arbeitsalltag. Und voller schöner Gedanken an die tollen drei Monate, die wir im hohen Norden verbringen durften. 

In den nächsten Tagen wird ein abschliessender Blogeintrag folgen. Wir müssen zuerst mal richtig zu Hause ankommen. Bereits jetzt danken wir für die vielen positiven und schönen Rückmeldungen zu unserem Blog. So macht das Schreiben Spass! 

Da der Blogschreiber auf der Fähre und im Autozug aus unerfindlichen Gründen praktisch kein Auge zumachen konnte, fällt er bald unter den Tisch und geht in sein heimisches Bett. Das habe ich heute Nachmittag schon mal kurz ausprobiert. Und ich darf sagen: Es ist herrlich bequem. 

Samstag, 28. September 2013

Die Wikinger kommen ...

Morgens um 10.00 Uhr laufen wir nach einer ruhigen Nachtfahrt in Kiel ein. Sonnenschein und blauer Himmel begrüssen uns. Wir entscheiden spontan, in Kiel zu bleiben und die Stadt anzuschauen. Bald merken wir: früher fuhren die Wikinger mit ihren Booten gen Süden, überfielen die Städte und kehrten nach Hause zurück. Heute läuft das in gepflegterem Rahmen ab. Die Schweden laufen mit einer Fähre den Schwedenkai an, mit der anderen Fähre die Norweger den Norwegenkai. Dann fluten Hunderte von Menschen die Stadt, fallen in die Läden ein und shoppen was das Zeug hält. Kein Wunder, sind die Kleider und Lebensmittel im Vergleich zu Norwegen doch rund 75 % günstiger. Ich hielt mit und kaufte mir in einem tollen kleinen Outdoorladen eine neue Winterjacke. Ein rechtes Stück günstiger als zu Hause. Vorher decken wir uns auf dem Markt ein. Der ist gross und sehenswert. Lebensmittel, viel frischen Fisch und anderes Mehr gibt es zu kaufen. Halb Kiel scheint auf dem Markt zu sein. 

Später fahren wir gen Hamburg. Vor drei Monaten hatte es auf der Gegenfahrbahn der Autobahn einen Megastau. Wir rechnen genug Zeit ein. Und den Megastau (über 10 km) gibt es wieder. Wieder auf der Gegenfahrbahn. Die Baustelle zog offenbar um. Unser Glück. So fahren wir locker nach Hamburg. Parkieren unser Auto praktisch vor der Beiz, wo wir für das Nachtessen reserviert haben. Dem Restaurant «La Monella». Ein 1a Tipp für alle, die mal in Hamburg sind. Das Restaurant ist ein vegetarischer Italiener. Wir haben ein Kochbuch daheim, welches wir lieben. Die Autoren sind die Beizer des «La Monella». Das Essen ist toll, die Auswahl gross und die Qualität top. Wir haben das Nachtessen, unser Abschlussessen der Reise, genossen. Vorher «liefen» wir uns hungrig bei einem Rundgang durch das Quartier Rothenbaum. 

Jetzt rollen wir bereits im Autozug gen Lörrach. Pünktlich nach 22.00 Uhr ist die Fahrt gestartet. Und am Sonntagmorgen werden wir in Lörrach ankommen.


Kieler Markt - Potpourri 

«booking.com»

Werbung und Marketing muss sein. Vor allem dann, wenn eine Dienstleistung nach intensiven Tests als gut eingestuft werden kann.
 
Auf unserer Reise haben wir über die Website «booking.com» mehrmals tolle Unterkünfte gefunden. Und nette GastgeberInnen kennengelernt. Die Buchungen sind einfach und schnell mit wenigen Mausklicks erledigt. Immer zu attraktiven Preisen. Und manchmal einmalig günstig. Die Erfahrungen sind sehr gut. Wir hatten nie ein Problem. Natürlich muss man die Angebote genau prüfen. Und halt mal «Mut zum Risiko» haben. Wir haben das nie bereut. 
 

Das aktuelle Beispiel: Die Wohnung in Oslo. Brandneu, 1a Lage, und mit rund CHF 150.00 pro Tag echt günstig. 2 Zimmer, Bad mit eigener Waschmaschine, voll ausgerüstete Küche mit Abwaschmaschine. Plus einen Balkon. Die Tiefgarage kostete einen kleinen Aufpreis. Der war es wert, wenn man die Parkplatztarife in Oslo sieht. Hier ein paar fotografische Eindrücke unseres Schnäppchens. 


Freitag, 27. September 2013

Abschied und Rückreise

Heute ist es soweit. Wir packen in Oslo unsere Sachen und fahren zum Fährterminal. Die Heimreise startet um 14.00 Uhr. Wir fragen uns, wie viele Leute es wohl auf der Fähre haben wird. Touristen hat es nur noch wenige.
 
Vor der Fähre stehen wenig Autos. Bald finden wir heraus, dass es umso mehr Fussgänger hat. Am Freitag entern ganze Gruppen die Fähre um trinkend, essend und feiernd ein Wochenende auf einer kurzen Kreuzfahrt zu verbringen. Die Norweger profitieren von den günstigen Preisen. Auf dem Schiff ist alles zollfrei. Der Trubel ist dementsprechend gross. Sogar eine Hochzeitsgesellschaft treffen wir an. Hochzeit auf der Fähre? Hauptsache, es gefällt den Brautleuten.
 
Wir sind häufig an der frischen Luft. Draussen ist es ruhiger. Das Wetter ist prächtig, der Himmel wolkenlos blau. Das Draussensein macht Hunger. Wir freuen uns auf das schöne und feine Essen vom Buffet und werden nicht enttäuscht. So fällt uns der Abschied von Norwegen leichter.
 

Einige melancholische Gedanken fliessen uns später beim Sonnenuntergang durch den Kopf. Wir lassen die tollen drei Monate unserer Reise Revue passieren und sind uns voll bewusst: eine solche Auszeit vom Alltag ist ein Privileg. Und wenn sie so schön war wie die Unsrige umso mehr.


Donnerstag, 26. September 2013

Alte Bilder, neue Schanze und ein Feuerwerk

Edvard Munch, der weltbekannte Norwegische Maler, vermachte seine Bilder der Stadt Oslo. So kommt es, dass die Bilder heute dem Publikum zugänglich sind. Sein vielleicht bekanntestes Werk ist "Der Schrei". Wir besuchen die Ausstellung zu seinem 150. Geburtstag und lassen die Bilder auf uns wirken. Keine leichte Kost, aber eindrücklich und spannend. Und im Museum war es klar wärmer als draussen. Neblig und kalt (6 Grad) war es zuerst. 


Anschliessend haben wir wieder Glück. An der Sonne essen wir unser Mittagessen. Dann steigen wir in die U-Bahn ein, die uns gen Holmenkollen führt. Wobei U-Bahn ein wenig hoch gegriffen ist. Die Linie 1 fährt auf der Strecke zum Holmenkollen primär über Boden. Wie ein Tram.
Zwischen Grau und Blau liegen 65 Minuten!


 

Der Himmel wird dunkler, ich habe Lust auf einen Kaffee. Und kaum sind wir drin, geht draussen ein längerer Regenschauer nieder. Als der vorbei ist, ist der Himmel strahlend blau. Und bleibt es. Hier ein Beispiel mit "Vorher und Nachher" Bildern. Die Unterschiede sind frappant. Und zum wiederholten Male erleben wir heute, wie die ersten Fotos gelöscht werden können. Da der blaue Himmel plötzlich strahlt - und wir auch :-). 


Beim Besuch des Holmenkollen Skistadions, mit seiner imposanten neuen Schanze, sind wir fast allein, Nebensaison sei Dank. Wir geniessen die Aussicht auf Oslo und den Oslofjord von zuoberst. Auf dem 60 Meter hohen Schanzenturm ist man über 417 MüM. Auf einem kurzen Film wird im Zeitraffer der Bau der neuen Schanze gezeigt. Diese wurde im Winter 2010 eröffnet. Der Bau wurde für die WM der Nordischen im Jahr 2011 erstellt. Imposant, was da an Stahl zusammengeschraubt worden ist. Und heute in der Landschaft steht. Man fragt sich, wie das alles hält. Ist doch der oberste Teil der Schanze freitragend. 




Zurück in der Wohnung kochen wir unseren Znacht, sitzen hin und beginnen zu essen. Plötzlich böllert es draussen los. Es tönt nach Feuerwerk. Kann das sein? Mitten unter der Woche? Ich gehe auf den Balkon und sehe direkt in ein grosses Feuerwerk, welches auf einem Hügel über dem "Ekeberg Kastellet" abgefeuert wird. Wir freuen uns ob der Farbenpracht. Und haben keine Ahnung, wieso dieses Schauspiel stattfindet. Update: Google weiss warum. Der Ekeberg-Skulpturenpark wird heute eröffnet. Das Feuerwerk ist Teil der Festivitäten.

Mittwoch, 25. September 2013

Moderne Architektur

Die einstündige Führung hinter die Kulissen des Opernhauses lehrt uns, wieso Opernhauseintritte meistens teuer sind. Hier ist erstens das Gebäude Hochtechnologie vom Feinsten, auf dem letzten Stand der Technik und der Logistik. Zweitens ist der Personalbedarf an einem Opernhaus enorm. Wir wissen nun, wieso wir einen schönen Batzen unseres Steuergeldes ans Opernhaus in Zürich zahlen. Das Opernhaus hier ist einmalig. Es war eine politische Forderung, das Gebäude offen zu halten. Das heisst, das Opernhaus ist jeden Tag ab 07.00 Uhr bis in die Nacht hinein für das Publikum offen. Egal ob Vorstellung ist oder nicht. Die Forderung ist in die Architektur eingeflossen. Der Eingang fügt sich harmonisch ins Gesamtbild ein und fällt nicht auf. 

Den weiteren Nachmittag verbringen wir inmitten modernster Bauten. Das Aker Brygge Quartier ist im Moment im Umbruch und wird komplett neu gestaltet. Genauso wie das Gelände rund um die Oper. Die alten Hafenanlagen werden seit etwa 2003 durch neue Nutzungen ersetzt. Die Vielfalt der architektonischen Kreativität ist beeindruckend. Vieles gefällt, bei anderen Bauten fragen wir uns, wie die wohl in 10, 20 Jahren aussehen werden. Die Umgestaltung dauert noch bis ungefähr 2019. Es lohnt sich sicher, bald wieder nach Oslo zu reisen und die neuen Gebäude anzuschauen. 

Es werden viele Wohnbauten erstellt. Wobei das wohl nicht der soziale Wohnungsbau ist. Eine 106 m2 grosse Wohnung mit 3 Zimmern kostet um die 10 Mio. Norwegische Kronen. Das sind umgerechnet über 1.5 Mio. Schweizer Franken. Wenn wir das mit den Preisen für Häuser im hohen Norden Norwegens vergleichen, ist das ein Quantensprung nach oben. 

Bei einem Kaffee überlegen wir uns, wie sich wohl die top gestylten und geschniegelten jungen Leute, die hier wohnen und arbeiten, mit den samischen Rentierhirten im Norden von Norwegen verstehen würden. Die Gegensätze, die wir in den letzten 3 Monaten gesehen haben, sind enorm. 

Das Wetter hat sich heute am Morgen nass gezeigt, dann wurde es je längers je besser. Die Temperatur rutschte hingegen in den Keller. 6 Grad sind erfrischend frisch. Nach den 19 Grad von vorgestern.


Aker Brygge - Neubauten

Dienstag, 24. September 2013

20 Kilometer Bilderbuch

Stadtrundgang in Oslo. Abends hatten wir müde Beine und 20km in den Schuhsohlen. Plus viele tolle Eindrücke im Kopf gespeichert. Zuerst geht es gen Schloss. Per Zufall treffen wir die Wachablösung. Die ein wenig speziell ist. Die Schlosszufahrt wird renoviert. Die Wachablösung findet vorübergehend neben dem Schloss auf einem ganz kleinen Kiesplatz statt. Als Zuschauer ist man mittendrin und auf Tuchfühlung mit den Soldaten. 

Bei der Stadtwanderung gibt es alle paar Meter neue Eindrücke und viele farbige Bilder. Sogar Weisswangengänse sehen wir. Die funktionieren fast wie Rasenmäher und ernähren sich von Gras und anderem Grünzeug. 

Oslo unterscheidet sich markant von anderen norwegischen Städten. Grosse, zum Teil prunkvolle Bauten sind zu sehen. Holzhäuser sind selten, meist wird in Stein, Beton und neuer in Metall und Glas gebaut. Alles ist tadellos herausgeputzt und wird gut unterhalten. Was sich an der Zahl der Baustellen zeigt. Da kann sich Oslo mit Zürich messen ;-). 


Eindrücke aus Oslo
Die Skulpturen von Gustav Vigeland im Vigeland-Skulpturenpark sind speziell und sehenswert. Das schöne Herbstwetter ist prächtig und man sieht die Leute die Sonne geniessen. Wir lassen die Eindrücke auf uns wirken und finden es beeindruckend, wie lebensecht Gustav Vigeland die Skulputuren aus dem Stein gehauen hat. Es gefällt uns nicht alles. Die Auswahl ist mit 212 Skulpturen aber gross genug.


Eindrückliche Skulpturen von Gustav Vigeland
Später gehen wir zurück in unsere Wohnung. Vorher kommen wir am Opernhaus vorbei. Das ist das Gebäude, auf das man gehen kann. Und wie. Das ist wirklich der Hammer. Und die Architekten haben ihre Preise, die sie für diesen einmaligen Bau erhalten haben, wirklich verdient. Die Abendsonne trägt ihren Teil zu schönen Fotos bei. Wir freuen uns auf die Führung am Mittwoch. Wir konnten zum Glück Billette buchen. Die Führungen sind sehr begehrt und oftmals ausgebucht. 


Opernhaus Oslo von Aussen und von Innen
Beim Eindunkeln mache ich mich auf eine kurze Fototour durch das Neubauquartier, in dem wir wohnen. Die neuen Häuser sind hoch und sehenswert. Uns gefällt, was die Architekten ausgeheckt haben. Auf Grund von Fotos sieht man, wie die Gegend vor rund 14 Jahren ausgesehen hat. Vermutlich werden die Bauarbeiten bis in 3 oder 4 Jahren abgeschlossen sein. Oslo wächst im Moment sehr schnell, was man an den vielen Neubauten sehr gut sehen kann. 


Neubauviertel bei der Oper in Oslo

Der "Bring" - wo ist der "Hol"?

Seit dem ersten Tag in Norwegen verfolgt uns ein Rätsel. Im ganzen Land gibt es die grünen Autos der Firma "Bring". Die bringen tatsächlich. Nämlich Waren aller Art. 

Aber: Wir haben noch nie einen Wagen von "Hol" gesehen. Wer holt den all die Sachen? Immer nur "Bring" führt zur kompletten Überfüllung. Norwegen wird irgendwann aus allen Nähten platzen ...


Edle Veloständer

Gefunden im Neubauquartier bei der Oper in Oslo. Die edelsten Veloständer, die ich jemals sah. Sogar mit Lichteffekten ausgestattet. Da macht das Fotografieren auch in der Nacht Spass :-)


Gruss vom Fotografen

Fotografieren ist ein Vergnügen. Aufnahme aus der edelsten und teuersten öffentlichen Toilette Norwegens (Oslo Oper).

Montag, 23. September 2013

5 Ringe, 2 Vögel und 1 Hauptstadt

5 Ringe? Genau, wir sind in Lillehammer gewesen, der Olympiastadt von 1994. Auf der Fahrt nach Oslo besuchen wir die Eishalle in Hamar. Die sieht aus wie ein umgedrehtes Vikingerschiff, ist eine der grössten Hallen auf der Welt und hat einen Architekturpreis erhalten. Uns gefällt die Halle, die mal nicht einfach zweckmässig hässlich aussieht. Eine andere Variante einer olympischen Eishalle besuchen wir in Gjøvik. Da haben sie einfach ein Riesenloch in den Berg gesprengt und die Eishalle direkt in den Fels gebaut. Sieht interessant aus und ist offenbar von der Akustik her der Hammer. Die Halle wird nicht nur für Eishockey sondern auch für Konzerte verwendet. 



Die Weiterfahrt nach Oslo verläuft abwechslungsreich. Kornfelder, viel Wiesen und generell eine sehr schöne Landschaft. Wir fahren teilweise auf Nebenstrassen. Und sehen eine Kranichmutter mit ihrem Jungen. Sie liessen uns relativ nahe herankommen.







In Oslo sehen wir den ersten grossen Stau seit Reisebeginn. Wir sind definitiv wieder "unter Menschen". Über unser Appartement wird es, wie in Røros, einen eigenen Blogbeitrag geben. Ich möchte zuerst noch ein paar Fotos schiessen. Eines vorweg: wir sind von unserer Bleibe begeistert. Die Ausnahme sind zwei Lampen, die total 5 Birnen haben, von denen alle zusammen kaputt sind. Zum Glück hat es noch andere Lichter. 


Hier ein paar erste kleine Eindrücke von heute Nacht. Die grosse Rauchwolke rührt von einem Grossbrand her. Es muss heftig brennen, in der Luft hängt Brandgeruch und in der Stadt blinken Blaulichter und Sirenen heulen. Update von 01.50 Uhr: ein Industriegebäude von rund 700m2 ist komplett abgebrannt. Es gab mehrere kleine Explosionen. Offenbar wurden auch nicht so gesunde Stoffe freigesetzt. Dies gemäss Feuerwehr und Schlagzeile tv2.no. Gut haben wir alle Fenster zu. 



Sonntag, 22. September 2013

"Friluftsliv"

Bergwandern geht nicht. Es hat keine Berge. Fjellwanderung in den Bäumen ist beim herrschenden Sonnenschein nicht optimal. Denn die Sonne wollen wir geniessen. Somit sind Ideen gefragt. 

Gestern haben wir in Sjusjøen einen markierten Wanderweg rekognosziert. Der stellte sich als präparierte Wanderpiste heraus. Dann gibt es noch einen Spazierweg. Der ist, kein Witz, 70 km lang. Was einen doch längeren Spaziergang ergeben würde. Wir entscheiden uns für den markierten Wanderweg. Aber in der Joggingversion. Mit uns ist die halbe Gegend auf der Piste. 

Die Norweger sind echte Sportfanatiker. Tip top ausgerüstet wird gewandert, gewalkt, spaziert, gejoggt und Velo gefahren. Allenthalben grillieren Gruppen im mild-sonnigen Herbstwetter (12 Grad) am offenen Feuer. Von den Hütten im lichten Wald zieht der würzige Duft der Ofenfeuer mit Kiefernholz über die Landschaft. Gemäss Reiseführer hat es nirgendwo in Norwegen mehr Hütten als in Sjusjøen. An einem Tag wie heute versteht man, wieso das Wort "Friluftsliv" in der norwegischen Sprache wichtig ist. Und das "Friluftsliv" zur norwegischen Gesellschaft gehört. Die Erklärung für dieses skandinavische Phänomen, welches vor allem die Norweger zur Kunst entwickelt haben, ist hier. 

Die Rennrunde um den See haben wir genossen. Nach dem Umziehen platzieren wir die Campingstühle am Waldrand und lassen uns die Sonne auf den Pelz brennen. Herrlich ist das! Dazu ein feines Sandwich und die Nachrichten zu den Abstimmungen daheim und den Wahlen in Deutschland.   

Birkebeiner-Denkmal Lillehammer 

Eine erfrischende Dusche später schlendern wir durch die charmante Innenstadt von Lillehammer. Die vielen schönen Läden fallen auf. Genauso wie die vielen Cafés. In Lillehammer fühlen wir uns wohl. Die Birkebeiner-Geschichte ist überall präsent. Und das überlebensgrosse Birkebeiner-Denkmal sieht eindrücklich aus. 



Stadteindrücke in Lillehammer 



Samstag, 21. September 2013

Museales Lillehammer, garniert mit Aktualität

Maihaugen. So der Name des Freilichtmuseums in Lillehammer. Ähnlich wie der Ballenberg. Ein Zahnarzt sammelte ab Anfang des 20. Jahrhunderts Häuser und Gegenstände. Eine eindrückliche Kollektion von über 180 Gebäuden kam zusammen. Darunter ein Gehöft mit über 15 Gebäuden. Diese können teilweise besichtigt werden. Besonders spannend: Auch aktuelle Häuser, bewohnt bis 1995, stehen hier und können von Innen angeschaut werden. Mit Originalinventar aus der Zeit, in der sie erbaut wurden. Man meint fast, man trete einer Familie in die gute Stube. 

Der Nebel ist heute über der Stadt gehangen und es machte erst gegen 14.00 Uhr auf. Sonnenschein und 13 Grad. Angenehm. Nach dem Museumsbesuch sind wir einkaufen gegangen. Als wir rauskamen, regnete es. Wir planten sowieso eine Pause, so störte der Regen nicht. 

Jetzt scheint die Sonne wieder und wir machen uns auf den Weg, um von den Sprungschanzen über Lillehammer auf die Stadt zu schauen. Zum Abschluss geht es nach Sjusjøen, einer Fjell- und Seenlandschaft oberhalb von Lillehammer. 

Nach der Rückkehr können wir sagen: Die Sjusjøen Gegend ist sehenswert. Der Sonnenuntergang über den vielen Seen und Tümpeln war schön anzusehen. Und bei 5 Grad erfrischend ;-). Wandermässig ist die Gegend lohnend. Wenn man gerne durch Sumpf und Wälder stapft. Wir sind eher die Fels- und Bergfans.

Die Bautätigkeit im Fjell oben ist rege. Manche/r NorwegerIn erfüllt sich vermutlich den Wunsch nach einer eigene Hütte. Wobei Hütte manchmal zu wenig ist. Da werden wahre Villen mitten in den Wald geklotzt.

Wenn ich mir die Verhältnisse auf dem Dauercamping von Sjusjøen vor Augen führe, kann ich das nachvollziehen. Da stehen über 100 Wohnwagen dicht an dicht. Man hört vermutlich den Nachbarn schnarchen. So nahe sind sich die Wagen. Was man daran reizvoll findet? Keine Ahnung. Für uns wäre es jedenfalls der reinste Horror so zu hausen. 

Freilichtmuseum Maihaugen, Lillehammer 

Freitag, 20. September 2013

Ah und Oh wechseln sich ab

Von Røros nach Lillehammer geht es heute. Am Morgen ist es mit -3 Grad frisch. Dazu hängt der Nebel. Als er sich lichtet wissen wir noch nicht, welch strahlender Tag uns erwartet. Die Wolken lösen sich zum grössten Teil auf, der Himmel ist tiefblau. Herrlich. Am Nachmittag ist es 12 Grad warm. Goldener Herbst wie aus dem Bilderbuch. 

Die Strecke legen wir gemäss Karte fest. Zwei Abstecher auf kleinen Strassen sind im Programm. Und die haben es in sich, stellen wir fest. Die landschaftlichen Eindrücke lassen uns staunen. Fjell vom Allerfeinsten. Alles in Herbstfarben getaucht. Die dank Sonne einmalig leuchten. Wir sind begeistert und kommen aus dem Staunen kaum heraus. Manchmal haben wir den Eindruck, im Jura zu sein. Kurz darauf sieht es aus wie im Engadin. Später so, wie es in der Schweiz nirgends aussieht. Eine Augenweide. 

Aus der Ferne leuchten die frisch verschneiten Gipfel des Dovfrefjell bis zu uns auf das Alvdal Vestfjell. In Ringebu sehen wir die Stabkirche. Welche wunderbar im Abendlicht steht. Heute ist der Kitschfototag! 

In Lillehammer beziehen wir ein Appartement im Olympiapark (Birkebeineren). Den Apéro geniessen wir auf der Terrasse. Die erste Terrasse seit der Hütte in Å auf den Lofoten. Und prompt scheint die Sonne. Wir haben Glück.


Eindrücke von unterwegs

Ringebu Stabkirche

Stangen setzen

Tausende von Stangen stehen alle paar Meter an den Strassen. Sie zeigen dem Schneepflug im Winter den Weg an. Werden die Stangen maschinell oder von Hand gesetzt? Heute hat sich die Frage beantwortet und die Vermutung bestätigt. Maschinell heisst die Antwort. 

Zuerst ein Loch bohren, die Stange setzen, richtig reindrücken, rütteln ob sie hält, und das ist es dann. 



Und als Film


Donnerstag, 19. September 2013

Verbaute Berge & Kleinstadt als Schmuckstück

Heute verlassen wir Schweden und fahren nach Røros. Auf dem Weg über das Fjäll sehen wir ungeahnt viele schwedische Skigebiete. Die sind nicht klein. Die Infrastruktur ist top und es wird viel gebaut. In Jämtland muss das Zentrum des schwedischen Skitourismus beheimatet sein. Åre, die bekannte Skistadt, liegt ebenfalls in Jämtland.

Die Landschaft ist heute abwechslungsreich. Viele schöne Seen, Bauernhöfe, Felder, Hügel und Berge, leuchtende Birken und nordische Fichten. Diese Fichten haben im Vergleich zu den bei uns üblichen weniger ausladende Äste. Was den Schneedruck im Winter vermindert. 

In Sachen Wild können wir heute folgende Sichtungen verbuchen: Auerhenne, Kanadagänse, Stare, Rentiere (es hat tatsächlich noch welche) und einen Elch. Der war aber mausetot - vom Jäger geschossen - und lag zum Schlachten bereit. Plus natürlich jede Menge Elstern. Von denen muss es hier im Norden Millionen geben. 

Das Wetter überrascht wieder. Bloss ein wenig Regen, stattdessen viel Wolken und in Norwegen sogar Sonne. Wir können Røros in der Abendsonne besichtigen. Es ist kalt geworden. Zwischen 8 und 11 Grad ist es aktuell. 

Røros ist sehenswert. Kein Wunder, ist es ein Unesco Weltkulturerbe. Die Stadt ist als traditionelle Bergbaustadt erhalten. Die bis zu 250-jährigen Holzhäuser machen den Ort zu einem historischen Schmuckstück. Es macht Spass, durch die Gassen zu spazieren und die Eindrücke auf sich wirken zu lassen. 

Als Bleibe habe ich ein Appartement gebucht. Das hat einen eigenen Blogeintrag mit Bildern verdient. Wir sind froh, zelten wir so gut wie nie. Wir erhalten so tolle Einblicke in die verschiedensten Stilepochen der Wohnungen. So wie heute. 


Røros



60-er Jahre leben wieder auf

Bei der Buchung des Appartements für unseren Aufenthalt in Røros waren verdächtig wenig Fotos verfügbar. Die Fotos geben uns jeweils einen Eindruck über das, was uns erwartet. Nun denn: wir buchten trotzdem und hofften auf eine schöne Bleibe.

Umso grösser war die Überraschung heute. Die ganze Wohnung ist top gepflegt. Die Einrichtung stammt grösstenteils aus den 60-er Jahren. Alles Originale und auf Flohmärkten zusammengetragen. Die Küchenkombination und die Einbauten im Bad sind ebenfalls Originalteile. Die Liebhaberei geht so weit, dass Kühlschrank und Kaffeemaschine auch aus alten Zeiten stammen. Wir wohnen fast schon in einem Museum. Der einzige Stilbruch sind ein paar Ikea-Teller. Diese ergänzen das alte Geschirr. Ok, und die 19 Rollen WC-Papier sind auch neu ;-). 

Stilleben in der Wohnung in Røros

10 Unterschiede zwischen Schweden und Norwegen

Zehn Punkte an denen man merkt, dass man wieder in Norwegen und nicht mehr in Schweden ist:

  1. Du fährst über die Grenze und ab sofort hat die Strasse Wellen und es schüttelt.
  2. Die Autofahrer halten sich an die Geschwindigkeitsgrenze und überschreiten sie ausserorts nicht chronisch um 20 km/h oder mehr. 
  3. Im Lebensmittelladen ist dasselbe Produkt 50% Prozent teurer.
  4. In den Orten schliessen die Läden um 17.00 Uhr oder früher. 
  5. An der Tankstelle gibt es kein Bier zu kaufen.
  6. In den Strassen rennen Jogger rum. 
  7. An den Statoil Tankstellen kriegst du mit dem offiziellen Becher wieder Kaffee.
  8. Die Warntafeln für Rentiere haben einen weissen statt gelben Hintergrund.
  9. Die Volvodichte ist markant tiefer.
  10. Du zahlst mit norwegischen statt schwedischen Kronen ;-)

Mittwoch, 18. September 2013

Teilweise sonniger Regentag

Gestern haben wir uns von der Wetterprognose beeindrucken lassen. Und entschieden, in Östersund einen Ruhetag einzulegen. Damit wir nicht alles im Regen fahren müssen. Tatsächlich hat sich das Wetter nicht an den Plan gehalten. Es ist heute meist trocken und teilweise scheint sogar die Sonne. So verbringen wir einen netten Tag in unserer tollen Unterkunft. Treiben Sport und fahren gen Abend in die Stadt, die uns sehr gut gefällt. Wir essen wieder fein und machen ein paar kleine Einkäufe.


Oben Links: Hier drin wohnen wir / Oben Rechts: Stimmungsbild vom See
Unten Links: Ansicht Hof / Unten Rechts: Schinkenlieferant

Eindrücke aus Östersund

Dienstag, 17. September 2013

Östersund - Stadt für Outdoorfans & Materialfreaks

Die für heute geplante Fahrt ins gemäss Jürg's Empfehlung sehenswerte Klimpfjäll fiel leider dem Wetter zum Opfer. Es hat bis kurz vor Östersund stark geregnet. Einer der seltenen Tage mit schlechtem Wetter. Wir fahren direkt nach Östersund. Die Landschaft verändert sich und wird lieblicher. Grasland wechselt sich mit Wäldern ab. Hügel geben Abwechslung. Vielleicht haben wir heute zum letzten Mal Rentiere gesehen? Wer weiss. 

In Östersund gehen wir bei Hilleberg vorbei. Die genialen Zelte werden alle hier hergestellt. Das Fabriklein ist klein und überschaubar und ich schiesse ein paar Fotos von aussen. Weiter geht es zu Woolpower. Auch bekannt als Ullfrotté. Die Firma macht sehr gute Produkte aus Merinowolle und Kunstfasern. Ich habe ein Gilet von ihnen welches genial ist. Der Fabrikladen ist ein Schlaraffenland für mich. Die Kreditkarte hat einen Grosseinsatz. Und ich kann einige alte Icebreakersachen ersetzen. Ich bin gespannt, was meine Tests der neuen Teile ergeben werden. 

Die Autoglaserei ruft an und wir gehen vorbei. Sieht tatsächlich nach einer neuer Scheibe aus. Aber erst daheim. Der Mann meint, das halte problemlos. Da könne ich einen Elch aufladen und die Scheibe halte. Ok, das probiere ich wohl nicht aus. Er ist Langläufer und wird am nächsten Engadin Skimarathon starten. Er empfiehlt uns dringend den Besuch von Åre. Dem bekannten Skigebiet. Passt das Wetter, fahren wir hin. Momentan sieht das aber übel aus: 



Gelesen habe ich schon mehrmals, dass der Ort schön sein soll. Aber trockenes Wetter wäre nett.  

Erstmals stehen wir in einer Autokolonne. 10 Autos stehen vor einem Kreisel. Unterhalb die erste Autobahn seit den ersten Julitagen. Östersund ist die grösste Stadt, die wir seit Wochen besuchen. Langsam müssen wir uns wieder an viele Menschen, Verkehr und grosse Häuseransammlungen gewöhnen. 

Damit der Schock nicht zu gross wird, übernachten wir auf dem Biobauernhof "Brunkulla Gård" in Fannbyn ausserhalb der Stadt. Wir haben das alte, wunderschön restaurierte, Herrschaftshaus für uns und sind die einzigen Gäste. Wir kochen heute nicht selber. Östersund hat gute Restaurants. Die Stadt war kulinarische Hauptstadt Schwedens im 2011 und ist von der UNESCO als Kreativitätsstadt für Gastronomie anerkannt. Wir wussten nicht, dass es das gibt. Was wir jetzt wissen: wir haben gut gegessen :-).


Obere Reihe: die Orte für Outdoorfreaks
Untere Reihe: Aus unserer Unterkunft auf dem Biobauernhof

Baustelle mit Folgen

Am Montag auf der E45 Richtung Vilhelmina. Baustelle. Eine lange Version mit rund 16km. Die Schweden und Norweger haben eine Vorliebe für sehr grobes Kies (wie Eisenbahnschotter). Wir fahren munter gen Süden. Von einem entgegenkommenden Auto saust ein Stein auf unsere Windschutzscheibe zu. Es knallt. Von innen sehen wir zunächst keinen Schaden. Am Tagesziel angekommen finden wir den Treffer. Ein netter Krater, so gross wie ein 1-Frankenstück, "schmückt" die Scheibe am unteren Rand. 

Der Fall ist klar: mal nachlesen, was Risiken und Nebenwirkungen sind. Dann Schaden bei der Versicherung anmelden. Und dank sehr umfassender Abdeckung der Firma, die auch in der Schweiz solche Schäden repariert, im rund 180km entfernten Östersund einen Reparaturtermin buchen. Sogar eine Schadeneinschätzung kann man online machen. Die sagt, dass mein Volvo eine neue Frontscheibe bekommen soll. Mal sehen, ob dem so sein wird. Am 18.09.2013 soll der Termin stattfinden.

Östersund entwickelt sich zu einem wichtigen Etappenziel: Hilleberg-Zeltfabrik, Fabrikladen von Woolpower und jetzt noch "Östersundsglasmästeri verkstad". Wenn das so weitergeht, werden wir hier einen ganzen Tag verbringen. 


Montag, 16. September 2013

Elche mitten in der Stadt

Nach dem Abschied von Simone und Jürg, verbunden mit den besten Wünschen für eine erfolgreiche Wintersaison, machen wir uns auf den weiteren Weg gen Süden. Vorher gehen wir nach Arvidsjaur. Die Samen haben hier eine kleine Kirchenstadt. Die kleinen Koten sind pittoresk und gemäss Beschrieb tatsächlich noch in Betrieb. Worauf die Unterhaltsarbeiten schliessen lassen. Mitten in der Stadt treffen wir eine Gruppe Elche an. Die Viecher sind total nett und bleiben für unsere Fotosession stehen :-). 


Kirchdorf der Samen in Arvidsjaur / Unten Rechts: Elchgruppe in Arvidsjaur 


Vilhelmina oder Dorotea stehen als Etappenorte zur Wahl. Beide gefallen uns vom Namen her. Das Wetter ist herbstlich trüb und mit 13 Grad spürbar kühler als gestern. Vor allem bläst ein kräftiger Wind. Teilweise begleitet uns Regen. Bevor kurz vor Vilhelmina die Sonne kommt und die Landschaft in ein freundliches Licht taucht. Wir zweigen vor Vilhelmina zum Kolgården Camping ab und sind erfreut. Nette, saubere Hütten direkt am See. Wir buchen spontan unser Logis und richten uns ein. 


Vilhelmina 


Sonntag, 15. September 2013

Ein Wiedersehen

Von Luleå nach Arvidsjaur hat uns der heutige Weg geführt. In Storberg bei Arvidsjaur besuchen wir Simone, Jürg, Ronja und Luis. Und ihre mittlerweile 62 Schlittenhunde. Im März 2012 waren wir für eine Woche bei ihnen und mit den Schlittenhunden im Fjäll unterwegs. Am Feuer gegartes Essen, ein feiner Wein und gute Gespräche begleiteten uns in den Abend. Es ist schön, wieder hier zu sein. Und zu sehen, wie sich das Projekt von Simone und Jürg weiter entwickelt hat. Schaut vorbei bei Wildact.

Auf dem Weg nach Storberg hatten wir tolles Herbstwetter. Blauer Himmel und bis zu 20 Grad. Ein Traum. Aktuell ist es windig und trüb.



Samstag, 14. September 2013

400 kleine Holzhäuser

In Luleå haben wir heute seit langem das erste Mal wieder ein Stadtgefühl gehabt. Die Innenstadt ist belebt, es hat Läden und die Leute flanieren. Leider lag eine hartnäckige Hochnebeldecke über der Stadt. Der Nebel riss nur für ein paar Minuten auf. Dafür ist es nach wie vor sehr mild. 16 Grad sind angenehm.

Bevor wir in Luleå ankamen, sind wir Gammelstad, die alte Kirchenstadt, besuchen gegangen. Das ist das alte Zentrum von Luleå. Ein Unesco Weltkulturerbe. Über 400 kleine Holzhäuser versammeln sich um eine grosse Kirche. Die Häuser wurden gebaut, damit die von weit her angereisten Kirchgänger übernachten konnten. Und sie werden noch heute gebraucht. Die alten Häuschen sind sehenswert. Es gibt in Schweden nur noch wenige Beispiele für solche Kirchenstädte. 

Mit dem Hotel haben wir ein Schnäppchen gemacht. Wir hatten wohl noch nie, auch nicht früher, ein Hotelzimmer mit eigener Sauna. Klein, aber fein. Im Zimmer steht eine grosse Lederpolstergruppe. Wir haben so richtig viel Platz. Und das für umgerechnet CHF 150.00. Wir können vom grossen Konferenzhotel profitieren. Die stehen über die Wochenende oft fast leer. Und bieten dann einmalig günstige Konditionen an. So wie hier: Wo das Zimmer die Hälfte des Normalpreises kostet. Das Nachtessen gab es als Buffet. Einfach, aber gut. Für CHF 18.00. Nach den Preisen in Norwegen ist das hier in Schweden ungewohnt günstig. 


Eindrücke aus Gammelstad bei Luleå

Impressionen aus Luleå

Freitag, 13. September 2013

Felchen, Haglöfs und Müdigkeit

Die Lichterjägerin und der Lichterjäger sind müde. Da es heute Wolken hat, gehen wir früh ins Bett und lassen die Jagd nach Polarlichtern ausfallen. Die Aufnahmen von gestern finden wir so gelungen, die könnten wir heute nicht toppen.

Wir sind in Haparanda angekommen. Der Ort liegt direkt an der finnischen Grenze und ist mit Tornio in Finnland quasi aneinandergebaut. Die Leute sprechen vorwiegend finnisch. Interessant ist, wie es geschichtlich dazu gekommen ist. Hier mündet der Torneälv in den Bottnischen Meerbusen. Der Torneälv hat uns seit Kiruna begleitet. Er ist der Fluss, der aus dem grossen See Torneträsk fliesst. Der Troneträsk wiederum ist der See, an dem Abisko liegt. Der Fluss ist rund 410 km lang.


Kurz vor Haparanda kommen wir am Kukkolaforsen vorbei. Der Ort hat in Sachen Fischerei historische Bedeutung in Schweden. Bis heute werden hier direkt aus den Stromschnellen des Torneälv Felchen gefangen. Und zwar von Hand, mit einem Kescher an einer langen Stange. Wir schauten den Fischern, die auf wacklig wirkenden Stegen über dem Fluss stehen, zu. Sie haben tatsächlich Fische aus dem Wasser gefischt.


In Haparanda ist rein gar nichts los. Das Stadtinnere ist leer und wirkt wie ausgestorben. Das ganze Leben spielt sich im Gürtel ab, wo die grossen Einkaufszentren und Läden liegen. Ikea, ICA, Systembolaget und wie sie alle heissen. Auch ein Outlet von Haglöfs ist zu finden. Wir haben den Laden durchstöbert. Und das Wunder ist geschehen: wir haben nichts gekauft :-)


Unser Logis hier ist eine Trouvaille. Die "Sverigefinska folkshögskolan", die Schwedisch-Finnische Volkshochschule, betreibt ein Hotel und eine Jugendherberge. In alten, zum Teil historischen Gebäuden, liegen die Zimmer. Das Haus mit unserem Zimmer war ursprünglich einmal eine Kaserne. Das muss aber etwa 100 Jahre her sein. Wir können selber kochen. Was beim gastronomischen Angebot hier die beste Lösung ist.

Am Mittwoch, 17. Juli 2013 haben wir den Polarkreis in nördlicher Richtung mit der Fähre überquert. Heute, am 13. September 2013, also fast 2 Monate später, überfuhren wir ihn in südlicher Richtung wieder. Es liegt sicher nicht am Polarkreis. Aber heute Abend wurde es uns so richtig bewusst, wie früh es bereits dunkel wird. Sonnenuntergang ist bereits um 18.59 Uhr.



Oben Links: Fischsteg für Felchenfang / Oben Rechts: Pausenstühle für Fischer
Unten Links: Fischreusen / Unten Rechts: Unser Logis in Haparanda

Lichterjäger in Gällivare

Kurz nach 22.00 Uhr wird es auf dem Campingplatz hörbar laut. Rufe hallen durch die Nacht. Die Vermutung bestätigt sich. Am Himmel pulsieren Polarlichter. Wir packen die Fotoausrüstung und fahren Richtung des am Nachmittag rekognoszierten Platzes. Kaum dort, geht am Himmel die Show mit Vollgas los. 

Wir sehen Polarlichter wie wir sie bis jetzt noch nie gesehen haben. Hell, pulsierend, Formen bildend, in Wellen über den Himmel laufend. Einfach nur schön. Wir staunen. Und können unser Glück kaum fassen. Seit Samstag jeden Tag Polarlichter. Und heute die vermutliche Krönung. Denn ab Morgen soll es bewölkt sein. 

Canon EOS 7D // Objektiv 10-22mm f/3.5-23 // ISO640 // F/3.5 // Brennweite 10mm // Belichtungszeit 6s // unbearbeitet

Canon EOS 7D // Objektiv 10-22mm f/3.5-23 // ISO640 // F/4 // Brennweite 24mm // Belichtungszeit 15s // unbearbeitet

Canon EOS 7D // Objektiv 18-200mm f/3.5-23 // ISO640 // F/3.5 // Brennweite 20mm // Belichtungszeit 15s // unbearbeitet

Donnerstag, 12. September 2013

Langsam gen Süden

Polarlichter gab es auch heute Nacht. Leider war der Himmel stark bewölkt. So spielte sich das Schauspiel mehr hinter den Wolken ab. Deshalb schlief ich seit Tagen wieder mal ausgiebig. Was ich nach den langen Nächten nötig hatte. 

Abschied von Abisko nahmen wir heute. In Abisko hat es uns sehr gut gefallen. Weiter gefahren sind wir nach Gällivare. Wo uns bei der Ankunft auf dem Campingplatz eine grössere Hütte als das reservierte Modell zugewiesen wird. Die bestätigte Hütte steht gar nicht zur Verfügung. Zum Glück habe ich eine Reservationsbestätigung. Auf dem Camping ist viel los. Und wir dachten, es sei Saisonschluss und tote Hose.

Auffällig ist die grosse Zahl von Leute mit Jagdhunden. Das kann doch kaum daran liegen, dass in Schweden bereits Elchjagd ist. Nach einem kurzen Gespräch mit den Männern von der Nachbarhütte ist klar. Ab Freitag bis Sonntag finden hier Meisterschaften im Vögel jagen statt. Gällivare ist bekannt als guter Standort für die Jagd nach Auerhahn und Birkhuhn. Die Teilnehmenden sind die Hunde, die in verschiedenen Kategorien starten. Von überall her treffen die Jägerinnen und Jäger ein. Das Wetter sei zwar toll (schön und mit 14 Grad mild), aber zu warm. Es müsste einiges kälter sein. Der Klimawandel sei seit ein paar Jahren klar feststellbar und hätte Auswirkungen auf die Natur. Erklärt mit der eine Jäger. Heute Abend lese ich auf der Wetterseite von den wärmsten Septembertagen in Nordnorwegen seit 75 Jahren. 

Nahe vom Campingplatz hat es einen Berg. Der ist mit viel Skiinfrastruktur erschlossen. Wir fahren hin und finden ein grosses Langlaufstadion. Alpine Anlagen gibt es ebenso wie eine Sprungschanze. Das sieht wichtig aus. Ein Check im Internet zeigt: Gällivare ist für Langläufer ein wichtiger Weltcup Standort. Was die Bauerei im Stadion um im angrenzenden Wald vermutlich erklärt. Da wird eine 1a Infrastruktur hingestellt. 

Der Berg eignet sich dank seiner Ausrichtung gen Norden auch gut für das Beobachten von Polarlichtern. Die strategisch gute Position ist rekognosziert. Bereit sein ist alles. Mal sehen, ob wir ausrücken werden oder nicht. 


Oben Links. Blick auf Gällivare / Oben Rechts: das Skistadion grafisch
Unten Links: Unser Logis auf dem Camping / Unten Rechts: Jagdhund 

Mittwoch, 11. September 2013

Bahnfahrt nach Narvik

Zug statt Bus - es hat geklappt mit der Ofotenbahn. Bei wolkigem Wetter zuckeln wir gen Narvik. Die Fahrt führt hoch oben am Hang durch das Gelände. Die aus den Beschreibungen hervorgehenden technischen Herausforderungen bei Bau und Unterhalt der Strecke werden sichtbar. Unzählige Tunnels werden durchquert und viele Brücken überfahren. Stellt man sich die Fahrt im harten nordischen Winter vor, wenn viel Schnee liegt und die Temperaturen bis -40 Grad fallen, fröstelt man fast. Die Strecke wird ausgebaut. Dient sie doch primär dem Transport von Eisenerz. Der Abbau boomt. Somit braucht es Transportkapazität.

Mit dem Wetter haben wir Glück. Regen und Sonne mischen sich. Die schönste Strecke fahren wir im Sonnenschein. In Narvik, wo wir Anfang August schon waren, sitzen wir im Kaffee und warten auf den Bus. Der uns wieder nach Abisko fährt.


Ob das Wetter auftut? Heute ist Stufe 4 bei den Polarlichtern. Das ist aktiv. Einen so hohen Wert hatten wir noch nie. Es wäre schön, wenn wir gute Sicht hätten. Denn wir bewegen uns nach Süden und die Chancen auf Polarlichter werden täglich kleiner. 

Ofotenbahn 

Vor einem Einkaufscenter in Narvik - man beachte das Foto unten rechts

Lichterjäger - die Fortsetzung

Die Lichter waren heute wieder da. Sogar direkt vor der Abisko Turiststation. Wie auf dem Silbertablett serviert. Die Intensität war heute relativ hoch. Wir haben das noch nie so gesehen. Nicht mal im Winter auf den Lofoten. Die Stärke nahm mit der Zeit ab. Der Nebel kam wieder stockdick. Und so war um gut 02.30 Uhr Schluss mit der Vorstellung. Der Fotograf merkt die kurzen Nächte langsam. 

Canon EOS 7D // Objektiv 10-22mm f/3.5-23 // ISO640 // F/11 // Brennweite 10mm // Belichtungszeit 213s // unbearbeitet



Dienstag, 10. September 2013

Flexibel muss man sein

Zuerst dies: Heute Abend, auf der Rückfahrt von Kiruna nach Abisko. Stopp in Parkplatz 1 um Fotos zu machen. Hinter uns fährt ein Auto rein. Und auf einen Schlag fluten 6 Japaner den Parkplatz. Ein Fotostopp weiter. Ich öffne die Beifahrertüre, und stehe fast auf ein Rentierbein. Das liegt einsam am Strassenrand. Ziemlich frisch und behaart. Stellt sich die Frage, wie das dorthin kommt. Und vor allem: wo ist der Rest des Rentiers?

Am Morgen wollen wir mit der Ofotenbahn nach Narvik. Stockdicker Nebel herrscht. Sehen wir überhaupt etwas? Beim Bahnhof die Enttäuschung. Der Zug fährt nicht. Er wird durch einen Bus ersetzt. Dumm gelaufen. Ist die Eisenbahnstrecke nach Narvik doch genau die Attraktion Nummer 1. Wir kehren um und entscheiden uns, Kiruna zu besuchen.

Kaum weg aus Abisko lichtet sich der Nebel. Blauer Himmel und Sonnenschein. In Kiruna kaufen wir noch schnell ein paar Schuhe und Socken für mich. Ein Paar Trekkingsocken hat sich im Fjäll in Lochsocken verwandelt. Dann geht es in die Eisenerzmine. Die Führung ist wirklich gut und zu empfehlen. 540 Meter unter Tage scheint die Sonne zwar nicht. Dafür sind die Informationen spannend und man lernt viel zum Eisenerzabbau hier oben über dem Polarkreis. 

Kiruna wird in den nächsten Jahren umziehen. Der Abbau schreitet voran und erreicht die heutige Stadt. Bereits sind erste Zeichen sichtbar. Der Bahnhof hat seit dem 1. September 2013 eine provisorische neue Heimat gefunden. Dort wird er bis ca. 2017 stehen. Wohin der neue, definitive, Bahnhof zu stehen kommt, ist noch offen. Der Umzug und die Gründe dafür sind in diesem Zeitungsartikel kurz beschrieben. 

Abends fahren wir zurück. Wunderbare Stimmungsbilder sehen wir. Nebel, See, Wolken, Sonnenuntergang und vieles mehr verzaubern die Landschaft. Und das Begleitprogramm gemäss Einleitung tut seinen Teil dazu.