Samstag, 31. August 2013

Are you tourist?

Diese Frage wurde uns heute mehr als einmal gestellt. Auf dem Samenmarkt in Varangerbotn sind Touristen, von denen es um diese Jahreszeit sowieso fast keine mehr hat, offenbar selten. Der Markt findet einmal pro Jahr statt und angeboten werden ausschliesslich von Samen handgefertigte Produkte. Auf den Markt sind wir per Zufall gestossen. An der Strasse hingen Banner, die für den Markt Werbung machten. Der Besuch hat sich gelohnt! Die Samen kommen von weit her. Sie bieten ihre Produkte an, decken sich auch selber damit ein und vor allem zeigen sie ihre prächtigen Trachten. Das gab teilweise komische Bilder. Samen in Tracht lichteten sich selber mit Kameras ab. Ob es daran liegt, dass sie ihre schönen Trachten im Alltag, von wenigen Ausnahmen abgesehen, nicht mehr tragen? 

Für uns war der Markt eine ideale Gelegenheit, Mitbringsel zu erstehen die garantiert einmalig sind und vor allem lokal produziert worden sind. Kulinarisch war es ebenfalls interessant. Wo kann ich sonst einen Rentierfleischkebab essen? Oder mit einer Zucker- und Salzlacke eingelegtes und getrocknetes Lamm degustieren? Es waren übrigens beide Sachen köstlich. 

Die heutige Fahrt führte uns nach Kirkenes. In der Nähe der Stadt, genauer in Storskog, werden wir bis Donnerstag sein. Im Sollia Gjestegård haben wir eine kleine Hütte gemietet. 500 Meter von der russischen Grenze weg. Die gesichert ist, als gehöre der kalte Krieg nicht der Vergangenheit an. Man wird immer wieder eindringlich gewarnt, die Grenze ja nicht, auch nicht unbeabsichtigt, zu übertreten. Sich an die Regeln (z.B. absolut keine Fotos) zu halten und aufzupassen. 

Ab Morgen wollen wir die Umgebung erkunden. Hier gibt es im Pasviktal zum Beispiel einen Urwald. Es ist einer der grössten, die es in Norwegen noch gibt. Ebenfalls ist das Pasviktal der einzige Ort in Norwegen, wo es Braunbären gibt die sich vermehren.


Eindrücke vom "Vuonnamarkanat" in Varanberbotn

Freitag, 30. August 2013

Die grosse Einöde

Nach einem interessanten Gespräch mit unseren Gastgebern in Mehamn, Ruan und Tina, verabschiedeten wir uns gen Slettnes Fyr. Das ist der nördlichste gusseiserne Leuchtturm auf dem europäischen Festland. Der starke Wind rüttelte auch heute an allem, was in der Gegend stand. Regenschauer zogen wieder über das Land, aber auch die Sonne zeigte sich. Die 8 Grad Aussentemperatur empfanden wir bei über 50 km/h Wind als eher kühl. Gemäss Windchill-Skala waren das 3 Grad, brrrr.

Die Weiterfahrt war geprägt durch die grosse Einöde. Eine wahre Mondlandschaft mit Felsen und Steinen begleitete uns während einsamen 120km. Kaum ein Auto sahen wir. Einige Rentiere und das war es. Hier oben lebt pro km2 rund1 Mensch. Nicht wirklich viel. Oder ein anderer Vergleich: Am Nordkapp schleusen sie in einer Sommersaison ca. 120'000 Touristen durch. In Mehamn, wo wir übernachtet haben, sind es ca. 3'500. 

Gegen Abend, in der Region von Tana Bru, liess der Wind endlich nach. Nach 3 Tagen genossen wir es, mal wieder normal gehen zu können. Ohne vom Wind gestossen zu werden oder gegen ihn ankämpfen zu müssen. In der Nähe von Tana, in Polmak, direkt an der finnischen Grenze, wollten wir übernachten. Zur Abwechslung hatten wir nicht vorreserviert. Und prompt war alles zu und niemand da. Am Ende sind wir auf dem Campingplatz in Skiippagurra in einer ganz einfachen Hütte untergekommen. Morgen geht es weiter gen Kirkenes. Dort in der Nähe wollen wir einige Tage verbringen. 

PS: auch heute konnte die Hurtigruten Mehamn wegen des starken Windes nicht anlaufen. 



Donnerstag, 29. August 2013

Vom Winde verweht

Der gestrige Entscheid, spontan ans Nordkap zu fahren, hat sich heute als goldrichtig herausgestellt. War das Wetter doch eher trüb und immer wieder jagten Regenschauer über das Land. Der Wind war nach wie vor stark. Bei zirka 10 Grad ist es nun ziemlich frisch. Der Wind hatte auf unsere Planung einen Einfluss, was wir noch nicht wussten, als wir Gjesvær Richtung Honningsvåg verliessen. 

In Honningsvåg schifften wir wieder auf der Hurtigruten ein. Heute war es die Kong Harald, die auf uns wartete. Oder besser wir auf sie. Die Crew hatte eine Sicherheitsübung. Und so verluden wir das Auto erst im letzten Moment auf das Schiff. Unser Ziel hiess Mehman, der nördlichste Hafen, den die Hurtigruten anläuft. Oder besser: anlaufen sollte. 

Kurz vor Kjøllefjord wurde per Lautsprecher die Absage einer Exkursion durchgegeben. Weil das Schiff den Hafen Mehamn wegen des starken Windes nicht anlaufen könne. Mehamn? Genau, dort wollten wir aussteigen. So mussten wir ruckzuck zusammenpacken und uns erkundigen, ob wir in Kjøllefjord ungeplant aussteigen müssen oder nicht. Die Antwort war nach einigen Diskussionen klar: Aussteigen, und zwar schnell.

So verliessen wir das Schiff zwei Stunden früher als geplant. Wir hatten Glück. Mit der Schifffahrt nach Kjøllefjord sparten wir uns rund 400km Autofahrt! Von Kjøllefjord nach Mehamn waren es noch 31km. Ein Katzensprung.

Der Hammer waren unsere Gastgeber in Mehamn. Bereits tagsüber erkundigten sie sich per Telefon, wo wir sind und wann wir ankommen. Am Ende kamen sie in Kjøllefjord auf das Schiff, um uns abzuholen. Weil ja Mehamn nicht angelaufen wurde. Und sie nichts von unserem Auto wussten. 

Ruan, so heisst der Gastgeber und seine Frau Tina, machen für die Hurtigruten die Exkursion. Notabene diejenige, die heute wegen dem Wind abgesagt werden musste. So waren sie vor Ort und boten eine Gästebetreuung der Sonderklasse. Wer jemals in den hohen Norden fährt, sollte unbedingt in Mehamn im RedTree B&B vorbeischauen. Es lohnt sich! Unterhalten können wir uns hier auf Schweizerdeutsch. Tina ist Schweizerin, Ruan Südafrikaner, hat aber längere Zeit in der Schweiz gelebt.

Oben Links: Sicherheitsübung auf der Hurtigruten / Oben Rechts: Kjøllefjord
Unten Links: Einfahrt auf die Kong Harald / Unten Rechts: Ausfahrt der Kong Harald aus Kjøllefjord 

Mittwoch, 28. August 2013

71°10'21"

Schiff statt Auto hiess es heute. Am frühen Morgen stachen wir mit der MS Trollfjord der Hurtigruten ab Hammerfest gen Honningsvåg in See. Wir genossen eine ruhige Fahrt. Bei trübem Wetter und häufigem Regen. In Honningsvåg regnete es dann waagrecht. Gar kein Ausflugswetter. Wir kauften ein und fuhren direkt nach Gjesvær. Wo ein schönes Appartement auf uns wartete. Das kam uns gerade recht, regnete und windete es doch fleissig weiter. Den Ausflug ans Nordkap strichen wir ...

Kurze Zeit später trauten wir unseren Augen nicht. Der Wind entwickelte sich zum Sturm. Der Regen hörte auf und es klarte schlagartig auf. Sofort stiegen wir ins Auto und fuhren ans Kap. Denn morgen Donnerstag soll das Wetter wieder übel sein. Oben angekommen trafen wir Verhältnisse an, die uns in Erinnerung bleiben werden. Der Sturm war so stark, er blies uns fast um. Das Licht war einmalig schön. Im Gegensatz zur Hochsaison hatte es sehr wenig Leute. Zum Teil waren wir allein! Was angenehm war. Wir konnten den Besuch richtig geniessen. Die Wanderung ans "richtige" Nordkap mussten wir wegen dem Sturm ausfallen lassen. 


Betrunkene Elche entkamen der Polizei

Kurz über den Zaun zu den Nachbarn in Schweden geschaut. Diesen Presseartikel fand ich heute - ist wirklich amüsant. Und Elche stehen tatsächlich auf Äpfel. 

Dienstag, 27. August 2013

Der Verfall ...

... schreitet voran. Man kann ihn sogar im Coop Supermarkt in Hammerfest kaufen. Das Foto hier habe ich heute, am 27. August 2013 geschossen. Der Artikel liegt ganz unschuldig im Gestell und wartet auf sein Opfer. 


Schneewittchen und Goliath

Heute machten wir unsere Bekanntschaft mit Snøhvit und Goliat. Dazu später mehr. 

Zuerst verabschiedeten wir uns in der Gargia Fjellstue von der Besitzerin, die einmal mehr erwähnte, dass es nun endlich Herbst und kühler werden müsse. Wir hingegen freuten uns über das wunderbare Spätsommerwetter. Es begleitete uns lange. Sonne, farbige Landschaften und rund 16 Grad. Der Hit. Heute fuhren wir über das Fjell in der Region Kvalsund. Eine riesige Fläche, traumhaft schön, die Farben warm von der Sonne und die Landschaft einmalig. Grosse Rentierherden zogen umher. Die Besitzer treiben ihre Herden langsam zusammen. Um die Tiere zu sortieren und zu markieren. Bevor es Richtung Winter geht. 

Später trübte das Wetter ein. Es nieselte und die Wolken hingen fast schon auf der Meeresoberfläche. Auch die Temperatur war plötzlich 5 Grad tiefer. Am Nachmittag fuhren wir im vom Nebel verhangenen Hammerfest ein. Und trafen dann Snøhvit und Goliat. Oder besser ihre Auswirkungen. 

Snøhvit ist ein riesiges Gasfeld vor Hammerfest, welches seit 2007 ausgebeutet wird. Goliat ist ein noch grösseres Ölfeld, welches erst seit ganz kurzer Zeit erschlossen ist. In der Folge boomt Hammerfest. Neubauten schiessen aus dem Boden. Eine interessante Beschreibung findet ihr in diesem Artikel. Alle Hotels sind komplett mit Arbeitern der Öl- und Gasindustrie gefüllt. Kein Bett ist mehr zu kriegen. So bangten wir um unsere Übernachtung. Am Ende fanden wir in einem Motel noch ein Appartement. Und sind nun glücklich und zufrieden. Denn am Mittwoch geht es sehr früh los. Um 06.00 Uhr planen wir, auf die Hurtigruten zu fahren. Und gen Norden abzulegen. 


Montag, 26. August 2013

Ein wenig Politik

Der Alta Canyon ist arg geschrumpft. Ein Stausee besteht seit 1987. Die Geschichte, wie es zum Stausee kam, ist lesenswert und meines Erachtens ein gutes Beispiel dafür, wie wirtschaftliche Interessen und Bedürnisse von Ureinwohner sich manchmal gegenüberstehen. Auf Wikipedia ist dieser Artikel zu finden. 

Und in der heutigen Zeit ist das Thema genauso aktuell wie in den 1980-er Jahren. In Schweden gibt es eine kontroverse Diskussion um die Erschliessung eines Abbaugebietes für Nickel im Samengebiet. Rentierzucht ist weniger wichtig als Bergbau, wurde letzte Woche entschieden. 

So richtig alt ...

... sind die Felszeichnungen von Alta. Das eigenartige Wetter mit Wolken, teilweise Regen, starkem Wind und warmen 18 Grad verleitete uns zu einem halben Ruhetag. Statt zu einer Wanderung zum Alta Canyon. Wir besuchten das Alta-Museum. Zwischen 2'000 und 6'500 Jahre sind die Zeichnungen alt. Wir waren fast alleine auf unserer Wanderung durch die Felsen. Dank einer Broschüre mit einer sehr guten Beschreibung der Motive waren die Bilder spannend anzusehen. Was für Geschichten da erzählt werden? Niemand weiss es. 

Interessant war das Gespräch mit unserer Gastgeberin. Sie hat Schlittenhunde, so richtige Rennhunde. Mit denen trainiert sie, unter anderem für das härteste Schlittenhunderennen Europas. Dem Finnmarksloppet. Der findet hier in Alta jedes Jahr statt. Die Frau muss das Metier im Griff haben. Sie wurde 2013 12. in der Kategorie 500 km. Hut ab. Und sie wartet sehnsüchtig auf kältere Tage. Damit sie mit den Hunden endlich traineren kann. Jetzt ist es zu warm dafür. 


Felszeichnungen von Alta - die Farben helfen, die Zeichnungen zu erkennen 

Im Original - ohne farbliche Hilfe 

Aurora Borealis?

Heute Abend nach dem Nachtessen: Gabi liest, dass ab 1. Oktober erste Veranstalter Polarlichtreisen durchführen. Somit besteht ab dann eine grosse Wahrscheinlichkeit, die Lichter zu sehen. Und vorher müssten sie ebenfalls sichtbar sein. 

Mir fällt ein, dass ich sowieso prüfen wollte, wie die Lage aussieht. Ab wann besteht überhaupt eine Chance, wieder Polarlichter zu sehen? Denn "stattfinden" tun sie auch im Sommer. Man sieht sie nicht, weil der Himmel in der Nacht zu hell ist. 

Die Uni Alaska bietet einen genialen Service an. Den Aurora Forecast. Und siehe da. Wir sind ungefähr auf dem 70. Breitengrad. Es ist der 25. August. Ab wann hat man die Chance, Polarlichter zu sehen? Ab dem 25. August. Der Forecast sagt, heute sei Stufe 2 (=Tief). Auf dem 70. Breitengrad sollte man sie ab Stufe 2 sehen. Was mache ich? Trete vor die Haustüre. Man weiss ja nie. Die Wolken vom Nachmittag sind weg. Und was sehe ich um ca. 23.30 Uhr? Genau: ganz schwach Polarlichter. Keine Einbildung und kein Witz. Nicht mal der scheinende Halbmond ist zu hell um das Polarlicht zu stören. 

Fazit: die nächsten Wochen steigen unsere Chancen für Polarlichter von Tag zu Tag. Wir hoffen auf die eine oder andere klare Nacht. Vielleicht sehen wir wieder was? Wer weiss. 


Sonntag, 25. August 2013

Hallo Taiga

Nach dem Aufstehen ein Blick aus dem Hüttenfenster. Draussen zieht eine Herde Rentiere vorbei. Beim Aufstieg bei der Bergtour zieht ein Seeadler seine Kreise über uns. Die Birkenbüsche der letzten Woche sind plötzlich Birkenbäume. Heute Abend, auf der E6 nach Alta, treffen wir verschiedene Male Rentiere auf oder direkt neben der Fahrbahn an. Am Strassenrand sind die Elchwarnschilder mit Rentierwarnungen ergänzt. Und ganz neu wird vor Hundegespannen gewarnt. Wir sind, wenn wir uns nicht schwer täuschen, wirklich im hohen Norden angekommen. Und heute, in der Gegend von Alta, bleiben die Birkenwälder hinter uns. Sie sind durch Kiefernwälder ersetzt worden. Die Taiga ist da. Ach ja: und die Touristen sind seit gut 1 Woche einfach weg. Wir sehen nur noch selten Leute auf Achse. 

Auf dem Weg nach Alta bogen wir in Altleidet ab. Zwei Gipfel warteten auf uns. Zuerst der Lasletind (819 MüM) und ein wenig weiter hinten der Olderbakktind (895 MüM). Wir hatten spezielles Wetter heute. Schön, aber total dunstig. Und so um die 16 bis 19 Grad warm. Viel zu warm für die Gegend und die Jahreszeit. Wir packten die kurzen Hosen aus :-). Vom Olderbakktind hat man eine einmalige Aussicht auf diverse Fjorde. Vor allem aber auf den Øksfjelljøkulen. Einen gewaltigen Gletscher mit einer Zunge, die fast bis ins Meer runterkommt. Die diesige Sicht heute war ein wenig einschränkend. Die Aussicht aber trotzdem superschön. 

Kurz vor Alta dann wieder mal ein Infrastrukturprojekt der Norweger. Einige Kilometer Strasse werden ersetzt durch eine gewaltige Brückenkonstruktion und nachfolgend mehrere Tunnels. Weitere Kilometer lang sprengen sich die Bauleute durch Felswände, um die neue Strasse gerader und flacher ins Gelände zu legen als die heutige Route. 

Heute und Morgen sind wir in der Gargia Fjellstue. Rund 25 km südlich von Alta. Mitten in der Pampa, sehr schön und ruhig gelegen. Und wegen dem heutigen Wetter: Die Besitzerin hat sich über das Wetter beklagt. Es sei viel zu warm. Sie könne mit ihren Schlittenhunden nicht für die kommende Rennsaison trainieren und müsse warten, bis es kühler werde. 

Übrigens: Der Wirt heute Morgen hat uns mit einem feinen Zmorge, nur für uns zwei, überrascht.



Samstag, 24. August 2013

Beeren auf Eis

Der heutige Besuch des Lyngsdalen barg eine feine Überraschung. Wir trafen eine reich gedeckte Beerentafel an. Zuerst begrüssten uns beim Aufstieg jede Menge wilder Himbeeren. Die Früchte waren süss und sonnenwarm. Wir sammelten und assen fast 3/4 Stunden lang feinste Beeren. Ein wenig weiter oben sahen wir Norweger mit Kübeln rote Beeren sammeln. Wir schauen genauer hin und sehen: alles ist voller reifer Preiselbeeren. Davon probierten wir ebenfalls. Und als dritte Beerenvariante gab es die obligaten Heidelbeeren. Ob das Tal eher Beerental denn Lyngsdalen heissen sollte? Am Ende des Tales bot sich ein prächtiger Blick auf mehrere Gletscher und deren Zungen, die bis ins Tal kommen. Es wurde klar, wieso die Lyngenalpen für Bergwanderungen nur eingeschränkt zugänglich sind. Die Zahl der Gletscher ist gross, die Berge sind steil. Das Tal selber ist wunderschön. Vor allem bei dem Sonnenschein, den wir heute hatten. Beim Herbstbeginn Sonne und 15 Grad. Das lassen wir uns gefallen. 

In Lyngseidet, wo wir im schönen Appartement übernachteten, stellten wir gestern fest: das ist im Winter die Station von Montanara. Mit ihnen gehen wir oft auf Skitour. Sie bieten eine Tourenwoche in den Lyngenalpen an. Und wir logieren aus purem Zufall im Sommer am selben Ort :-). 

Heute Nacht verbringen wir auf dem höchsten Pass in Nordnorwegen, dem Kvænangsfjell. Schwindelerregende 402 MüM. Aber ein Feeling wie auf 2'500 MüM. Draussen wabbert der Nebel, der Wind bläst stark und wir haben eine Hütte, die eher ein Indoorbiwak ist. Gekocht haben wir draussen mit dem MSR-Kocher. Immerhin sollen wir morgen früh ein Morgenessen erhalten. Mal sehen. 


Freitag, 23. August 2013

Wir bewegen uns ...

... weiter gen Norden. Heute haben wir Tromsø verlassen. Vorher fanden wir vor dem Laden, wo Gabi Wolle gekauft hatte, das Velo im Winterkleid. Da friert der Rahmen sicher nicht. Bis Lyngseidet sind wir gekommen. Im Zentrum der Lyngenalpen. Wo wir morgen Samstag eine Wanderung machen wollen. Das Wetter sollte uns freundlich gesinnt sein. Heute war es eher trüb und nass. 

Als Unterkunft sind wir direkt am Fjord untergekommen. Wer hier mal eine Unterkunft sucht: schaut bei Sørheim Brygge, mitten in Lyngseidet, vorbei. 

Die Lyngenalpen lassen uns wohl so schnell nicht los. Wieso nicht mal im Winter für 4 Wochen hier hoch kommen und dann Skitouren machen? Die Gegend ist ein Eldorado dafür. Die Hänge lachen einem sogar im Sommer an. Traumhaft muss das sein. Wenn das Wetter stimmt. 

Auf der Fahrt gen Lyngseidet stellten wir fest, dass sich die Birken seit Sonntag merklich gegen Gelb verfärbt haben. Es wird herbstlich. Und zwar schnell. Wir freuen uns auf die Farben, je weiter wir gen Norden kommen. 




Donnerstag, 22. August 2013

Prost!

Der letzte ganze Tag in Tromsø, bevor wir uns auf die Weiterreise machen. Das Wetter sprach für die Stadt statt für Berge. Das Tromsø Museum war unsere erste Station. Hierhin zogen uns zwei Ausstellungen zur Sami-Kultur. Einmal aus der Sicht, wie 1973 eine Ausstellung gestaltet wurde. Und einmal mit einer Ausstellung aus den 2000-er Jahren. Welche die heutige Lebensweise darstellt. Wir erhielten einen interessanten Einblick in die Kultur des Urvolkes der Samen. In deren Gebiet bewegen wir uns schon seit einiger Zeit. 

Am Nachmittag statteten wir der Brauerei Mack einen Besuch ab. Die nördlichste Brauerei der Welt nennt sie sich. Die Brauerei selber wurde zwar im Herbst 2012 rund 70 km nach Süden in einen Neubau verschoben. Ist aber immer noch weit genug im Norden. Wir waren die einzigen 2 Besucher für die Führung. Und erhielten einen umso interessanteren Einblick in die Firmengeschichte. Die extrem spannend ist. Die Mitarbeiterin lebt so richtig für ihre Firma. Super. 

Zur Führung gehörte das Degustieren von zwei Bieren. Wir hatten Glück und durften ein drittes Bier probieren. Welches erst nächste Woche auf den Markt kommt. Uns schmeckten sie alle drei. In der historischen Ølhalle, der ersten Gaststätte in Tromsø, in der man Bier innerhalb eines Gebäudes trinken durfte, schmeckte das Bier erst recht gut. Bis 1928 durfte das Bier hier oben Sommers und Winters nur draussen getrunken werden. Die Norweger hatten da ihre speziellen Gesetze. Die zum Teil bis heute gelten. So muss die Brauerei per Gesetz auch heute noch ein Weihnachtsbier brauen ... 

Bierige Eindrücke 

Mittwoch, 21. August 2013

Naturparadies in Tromsø

Die Wetterlage lässt keine Bergbesteigungen zu. Warum in die Ferne schweifen, wenn
das Schöne so nah liegt? Gleich oberhalb des Stadtzentrums in Richtung Flughafen ist
dieser See zu finden, in stimmungsvoller Szenerie.


Dienstag, 20. August 2013

Sonne, Regen und Pflanzen in Tromsø

So hat sich Gabi das norwegische Wetter vorgestellt: Sonnig, blauer Himmel, T-Shirt- Temperatur zum einen - auf dem Hinweg. Wind, der die neue Frisur zerzaust, graue Wolken und Regenspritzer zum anderen - auf dem Rückweg vom botanischen Garten. Ein herrlicher zweieinhalbstündiger Stadtspaziergang! 

Der arktisch-alpine botanische Garten ist ein Ausflug wert. Es finden sich Hochgebirgspflanzen von allen Kontinenten, sehr schön angelegt und jede Pflanze akribisch genau angeschrieben. Unglaublich, wie viele verschiedene Enzianarten existieren. Und das Edelweiss aus den Alpen darf natürlich auch nicht fehlen!

Es war viel mehr sonnig als nicht und hat kaum geregnet. Einfach ab und zu mal ein paar Spritzer oder ein kurzer Schauer. So sah es vor dem Fenster heute Abend mal aus (unten rechts).


Montag, 19. August 2013

Sicher gereist

Von Berlin nach Köln bin ich heute Abend sehr sicher geflogen. Mindestens vier Leibwächter für Peer Steinbrück sassen im Flieger. Davon zwei direkt neben mir. Der Kanzlerkandidat eine Reihe weiter vorne. Ich war erstaunt, dass der Mann mit Air Berlin unterwegs ist. Erwartet hätte ich da eher einen Privatflieger. Wobei das mit SPD und volksnah nicht zusammenpassen würde. 

Aus Tromsø habe ich von Gabi vernommen, dass sie ihr neues Strickprojekt gestartet hat. Das Wetter dazu sei passend. Es hat häufig geregnet. 

Falsch sortiert

Arbeitstage in Köln. Ich stehe in Tromsø an der Sicherheitskontrolle des Flughafens. Bordkarte vorweisen. Die Dame teilt mit, dass heute der 19.08.13 sei, mein Billett aber für den 20.08.13 gelte. Ich staunte ziemlich. Und merkte rasch, dass ich beim Buchen offenbar das falsche Datum erwischt hatte. Also einpacken und an den Schalter. Zum Glück hatte ich genug Zeit. Ich konnte ein Billett für den sofortigen Flug kaufen. Damit passen nun die Anschlüsse. Von Oslo nach Berlin und weiter nach Köln. Sonst wäre das dann gar nicht gut gekommen. 

Sonntag, 18. August 2013

Glückspilze!

Über Nacht wechselte das Wetter. Prächtig sah es am Morgen aus. Wir waren glücklich, hatten wir doch den Rasmustind (1'224 MüM) auf der südlichen Halbinsel der Lyngenalpen für den heutigen Tag vorgesehen. Von diesem Gipfel hat man einen tollen Ausblick auf das Herz der Lyngenalpen. Zusätzlich eine 360° Rundsicht über alle Berge, die hier in der Gegend das Auge erfreuen. 

Schon der Einstieg zum Aufstieg war ein Traum. Ein Flusstal, urtümlich, sonnendurchflutet und glitzernd, da noch die Regentropfen von gestern an den Ästen der Birkenbüsche und am Gras hingen. Und eine Wegspur (Rentierwechsel), die gut zu gehen war. Weiter oben öffnete sich das Tal und wurde weiter. Wir schraubten uns Schritt für Schritt in die Höhe. Auf Wegspuren oder weglos. Ein Traum. Auf dem Gipfel dann die erhoffte Aussicht. Die Luft war ausserordentlich klar heute. Man sah weit. Und wir sahen viel. So genossen wir die herrliche Aussicht. Es war warm oben. T-Shirt Wetter. Um 16.00 Uhr machten wir uns an den Abstieg. Und rund 2 1/2 Stunden später waren wir wieder beim Auto auf 20 Meter über Meer. Natürlich nicht ohne den obligaten Heidelbeerhalt beim Abstieg. Es hat tonnenweise reife Beeren. Getroffen haben wir während der ganzen 8 Stunden Tour genau 0 Menschen. Dafür 6 Rentiere. So quasi mit den Rentieren auf Du und Du war das Motto. So nah waren sie. 


Eindrücke von der Tour auf den Rasmustind

Film vom 360° Panorama auf dem Rasmustind

Der Tag war schlicht perfekt. Und das späte Abendessen rundete den Sonntag ab. Satt, glücklich und zufrieden geniessen wir unser Privileg, hier oben unterwegs zu sein. 


Linsen, Kartoffeln, Rüebli und Banane an einer Curryrahmsauce, oben drauf ein im Ofen gegarter Lachs


Samstag, 17. August 2013

UV-Index 0

Im hohen Norden ist der UV-Index sogar bei tollstem Sonnenschein oft nur auf Stufe 2. Sprich: es ist kein Sonnenschutz nötig. Heute war der Index sogar auf 0. Denn es war stark bewölkt und begann am Nachmittag intensiv zu regnen. Ideal für mich, um einige Stunden für das Geschäft zu arbeiten. Und wir konnten die gemütliche Wohnung richtig geniessen. 

Auf dem Weg zum Einkaufen erfuhren wir Tromsø von unten. Unter der Stadt verlaufen die Strassen in grossen Tunnels im Fels. Drei grosse Verkehrskreisel sind in den Berg gebaut. Der Vorteil: man kommt locker untendurch und oberirdisch herrscht kein Verkehrschaos. Im Winter spart sich Tromsø erst noch einen rechten Teil des Winterdienstes. 

Wieder einmal, wie schon in Fauske, fragten wir uns, wie die grossen Supermärkte überleben können. Neben einem brandneuen Einkaufszentrum mit rund 120 Läden beim Flughafen, tummeln sich all die bekannten Grossverteiler Norwegens. Wir wählten heute den ICA aus. Die Kette kommt aus Schweden. Die Geschichte von den Verfallsdaten kennt ihr schon aus dem Blog. Würdet ihr ein frisches Pannacotta kaufen, welches seit 5 (!) Tagen abgelaufen ist? Notabene zum vollen Preis. Da bekommt das Wort "frisch" eine ganz neue Bedeutung. Wir sind langsam darauf spezialisiert, die gut geführten Läden zu suchen und dann dort einzukaufen. Es lohnt sich. 

Die Lebensqualität in Norwegen ist bekanntlich hoch. Es fällt auf, dass die Norweger offenbar nicht so lange arbeiten wie zum Beispiel wir. Hier in Tromsø, einer nicht so kleinen Stadt, schliessen die Läden werktags im Stadtzentrum um 17.00 Uhr. Und offen sind sie ab 10.00 Uhr. Zum Glück haben die Lebensmittelläden länger offen. Wir hätten sonst ein Nachschubproblem. Interessanterweise erschien im März 2013 in der Handelszeitung ein Artikel zum Thema. 

Im Einkaufszentrum fielen Kinder auf, die an einem Schachturnier teilnahmen. Wie ich herausfand, findet die nächste Schacholympiade vom 01.-14.08.2014 hier statt.

Oben: Schachnachwuchs beim Turnier / Unten links: "Kissenvorhang" in der Wohnung / Unten rechts: Trübes Wetter in Tromsø





Freitag, 16. August 2013

Wer läuft mir da durch den Salat?

Morgens um 04.00 Uhr. Es regnet. Und dann: in der Wetterküche haben sie ins richtige Regal gegriffen und die Variante "wolkenlos blauer Himmel mit viel Sonne und Wärme" rausgenommen. Heute hatte es, ohne Heizung, über 20 Grad. Ein Prachtstag. So blieb uns nicht anderes übrig, als eine Bergwanderung zu machen ;-). Der Tromsdalstinden (1'238 MüM) stand auf dem Programm. In einer leicht abgewandelten Form. Nämlich mit Start und Ziel auf dem Storsteinen. Was am Ende eine 8 1/2 stündige Tour mit knapp 1'700 Höhenmetern ergab. Es war einfach nur schön. 

Und der mit dem Salat? Nach dem Abstieg vom Tromsdalstinden mussten wir nochmals aufsteigen. Gen Seilbahn. Dabei wählten wir die Freestyle-Variante, da uns der Weg zu weit unten war. Und siehe da. Wir kamen hinter ein paar Felsen hervor und ein ganzes Rudel Rentiere blickte überrascht. Die fragten sich wohl, wieso da zwei Touristen mitten durch ihren Salat latschen. Beide Parteien entschieden sich, ruhig zu bleiben und sich gegenseitig zu beobachten. Bei den Rentieren hatte es zwei Prachtsexemplare mit riesigen Geweihen dabei. Imposant. Und für uns ein Grund, den Abstand von 20 Metern nicht zu verkleinern. Auch wenn das weisse Rentier extrem gwundrig war und näher kam. 




Der Tromsdalstinden ist eine sehr empfehlenswerte Bergwanderung. Zur Abwechslung sogar mit Weg und mal nicht überhängend. Die Aussicht von oben ergibt ein 360° Panorama. Man sieht die Berge der Lyngenalpen genauso wie die ganzen Fjorde rum um Tromsø. Einmalig. Vor allem bei den Verhältnissen, die wir heute hatten. Sogar auf dem Gipfel war T-Shirt Wetter angesagt. Der Aufstieg vertrug kurze Hosen. Was für ein Gegensatz zur Kälte von gestern. 


Oben links: Biologisches Wegzeichen / Grosses Bild: der Tromsdalstinden

Donnerstag, 15. August 2013

20 Grad auf dem Gipfel (791 MüM)

Wir hatten heute tatsächlich 20 Grad auf dem Gipfel des Kjølen (791 MüM), direkt neben Tromsø gelegen. Auf diese Temperatur heizt dort oben der Thermostat die Schutzhütte :-). Draussen wabberten Nebelschwaden über das Gipfelplateau und das Rucksackthermometer meinte, es sei 7 Grad. Unser Eindruck war auch eher frostig. Die erhoffte Aussicht fiel aus. Von der Schutzhütte wussten wir aus dem Routenbeschrieb. Dass diese Strom und eine automatische Heizung hat, war die angenehme Überraschung. Das Sandwich an der Wärme zu geniessen ist klar angenehmer als draussen an der Kälte zu sitzen. Der Aufstieg auf den Berg war zur Abwechslung leicht zu finden. Auch wenn der Weg eine lange Kurve machte, deren Sinn sich uns nicht wirklich erschloss. Dafür trotteten wir 30 Minuten länger rauf. Schön war es trotzdem. Tromsø liegt bereits im Gebiet des Volkes der Samen. Ergo war es logisch, dass wir ein Rentier antrafen. Vermutlich werden von denen noch viel mehr sehen, sobald wir weiter gen Norden kommen. Ich habe das Tier trotzdem abgelichtet. 


Ein einsames Rentier

Die kleine Schutzhütte rechts war schön warm 

Vor der Bergwanderung stand unser Logiswechsel an. Wir packten alles Gepäck zusammen, schleppten es drei halsbrecherisch steile Treppen nach unten und verluden es ins Auto. An der Reception teilten sie uns mit, dass wir, im Gegensatz zur gestrigen Auskunft, in unserer Dachwohnung bleiben können. Tja, Freude und Frust über das sinnlose Geschleppe hielten sich in etwa die Waage. Am Abend schleppten wir alles wieder hoch. Und haben dafür eine geputzte Wohnung. Immerhin. 

Zum Znacht kochten wir einmal mehr fein. Spinat, Kartoffeln, Champignons, Schalotten und Knoblauch als Gratin. Bedeckt von ein wenig Käse und darüber garte ein fangfrisches Dorschfilet. Es war mega lecker! Eine Küche mit Backofen ist der wahre Luxus. 

Und von der Technikfront: Staub auf dem Sensor der Spiegelreflex. Seit gestern. Der Staub war sehr anhänglich und hat sich hartnäckig allen Putzversuchen wiedersetzt. Jetzt hat er aufgegeben und die Testaufnahmen sind sauber. Ich hoffe, das bleibe so. 

Bergwanderung fast um Mitternacht

Wir sind nachtaktiv. Mit der Luftseilbahn fuhren wir um 22.00 Uhr auf den Storsteinen. Dem Aussichtsberg von Tromsø und 421 MüM. In einer knappen halben Stunde wanderten wir auf den Fløya, einem Gipfel auf 671 MüM. Die Aussicht auf das nächtlich beleuchtete Tromsø war einmalig schön. Wir waren am Ende alleine auf dem Berg. Knapp nach halb zwölf fuhr das Hurtigrutenboot unter der grossen Brücke durch und legte in Tromsø an. Es hat sich gelohnt, am späten Abend auf den Berg zu fahren und nicht am Tag. Ende Woche fährt die Bahn nicht mehr bis 01.00 Uhr und die einmaligen Ausblicke zu später Stunde sind vorbei. 



Tromsø kurz vor Mitternacht - mit Hurtigruten bei der Hafeneinfahrt

In Tromsø besuchten wir heute das Polaria. Ein Museum das sich der arktischen Welt annimmt. Gelockt haben uns zwei Filme. Einer über Spitzbergen, der andere über die Polarlichter. Würden wir nochmals gehen? Wohl eher nicht. Auch wenn der Film über Spitzbergen durchaus schön anzusehen war. Der Streifen über Polarlichter war nicht wirklich toll. 

Weiter war die Mack-Brauerei auf der Liste der zu besuchenden Punkte. Hier wird das nördlichste Bier gebraut. Wir fragten uns gestern, wieso die Brauereigebäude so heruntergewirtschaftet aussehen. Die Antwort fanden wir heute: die Brauerei (Produktion) ist im Herbst 2012 ausgezogen und hat 70km von Tromsø weg ein brandneues Fabrikationsgebäude bezogen. Die alten Hallen stehen grösstenteils leer. Und harren wohl ihrer Umnutzung. 

Tromsø

Weiter planten wir heute unsere nächsten Etappen um. Die Lyngenalpen entpuppten sich als nicht wirklich wanderbar. Zu steil, zu weglos und nicht mal für Norweger für Wanderungen geeignet. Sie sind primär im Winter interessant. Für Freeriding und Skitouren. Wir entschieden uns, länger in Tromsø zu bleiben und von hier aus Bergwanderungen zu unternehmen. Was dann zur Folge hatte, dass wir in Sachen Appartement ins Dribbeln kamen. Die Verhandlungen sind schon weit gediehen. Morgen sehen wir, wo wir genau logieren werden. Ein Umzug muss auf jeden Fall sein. 


Dienstag, 13. August 2013

Picknick mit Delfin & Mitternachtskonzert

Heute hat es geklappt mit der Fähre ab Andenes gen Gryllefjord. Wir stachen um 08.30 Uhr in See und bewegten uns in Richtung Tromsø. Das Wetter schwächelte. Mit der versprochenen Sonne war nicht viel los. Sie fiel streckenweise in flüssiger Form vom Himmel. Gegen Mittag wurde es freundlicher. Auf der Reise entschlossen wir uns, der Küstenstrasse zu folgen statt den kürzeren Weg durchs Inland zu nehmen. Obwohl die Berge zu Beginn verhangen waren. Der Abstecher hat sich gelohnt! Die Küste ist wild, die Berge hoch und die Anzahl Fjorde gross. Im 2002, mit dem Velo, standen Ali und ich mal vor einer Wand. Die dazu führte, dass wir eine Fähre verpassten. Diese Passstrasse fuhren wir heute wieder. Und stellten fest, dass ein vor 11 Jahren noch fehlendes Strassenstück ergänzt worden ist. Die Norweger haben einfach ein Loch in den Berg gebohrt und einen netten Tunnel gebaut. Es ist immer wieder erstaunlich, wie viel Geld hier in Tunnels und Brücken investiert wird. 



Aussichtsrampe "Tungeneset" für Touristen an der Landschaftsroute Senja


Wolkiges Wetter gibt tolle Stimmungen

Beim Mittagessen genossen wir unsere bequemen Campingstühle. Während unserem Picknick am Strand eines Fjordes traute ich meinen Augen nicht. Die Rückenflosse eines Delfins durchstiess das Wasser nahe von uns. Mehrmals schwamm das Tier vor unseren Augen vorbei :-).


Fjordpicknick - 10 Minuten später schwamm hinten ein Delfin
Am späten Nachmittag trafen wir in Tromsø ein. Ich hatte dort gestern ein Appartement gebucht. Für rund Fr. 150.00 pro Nacht (für 2 Personen!). Wir staunten nicht schlecht. Das Appartement entpuppte sich als 2 Zimmer Dachwohnung. In einem alten Holzhaus, topmodern umgebaut. Wahnsinn. Es kommt noch besser: Am selben Ort habe ich ab Sonntag eine ganze Woche gebucht :-).

Als Tagesabschluss besuchten wir das Mitternachtskonzert in der Eismeerkathedrale. Empfehlenswert laut Tipp von Rosa und meinem Vater. Und das zweitletzte Mal diesen Sommer (!). Wir haben die wunderbare Akkustik und die spezielle Architektur des Baus genossen. Genauso wie die Musik der drei Interpreten (Sopran, Flügelhorn, Piano und Orgel). Ein schöner Abschluss eines interessanten Tages. Merci für den Tipp.  


Mitternächtliche Eismeerkathedrale (Ishavskatedralen) in Tromsø

Montag, 12. August 2013

300 km, 2 Kaffee, 1 Ladegerät und ein Ausfall

Gestern Nacht, nach dem Blogschreiben. Der Schreck: Wo ist mein Ladegerät für das Notebook? Jedenfalls nicht dort, wo es sein sollte. Nach kurzem Überlegen die Erkenntnis: Das Teil hängt an der Steckdose. Die ist in Stø. Und Stø ist 150 km weit weg. Die Freude war mässig. Somit heute statt ausschlafen früh aufstehen, ins Auto sitzen und retour nach Stø. 300 km, 2 Statoil-Kaffees und rund 5 Stunden später war das Netzteil in Andenes. Ich hoffe, das passiere mir nicht nochmals.

Gestern entdeckten wir in Andenes einen Aushang. Papageientauchersafari in Bleike war das Thema. Das Wetter hätte heute schön sein sollen. Es war dann trüb. Wir entschieden uns, die anderthalbstündige Fahrt mit einem kleinen Fischerboot anzutreten. Und es hat sich gelohnt. Fotografisch weniger, da ich wie ihr wisst, kein Weltraumteleskop habe. Aber vom Schauen her war es super. Bis zu 6 Seeadler zusammen in der Luft, Hunderte von Papageientauchern pfeilten durch Luft und Wasser. Kormorane dekorierten die Felsen, Austernfischer spazierten auf und ab und auch die obligaten Möven in diversen Ausführungen fehlten nicht. Wir erwischten einen der letzten Tage, an denen die Papageientaucher noch hier sind. Bald ziehen sie für 8 Monate auf's offene Meer. Gabi und mir hat es gefallen.

Ausschnittsvergrösserter Papageientaucher (deshalb ein wenig unscharf)

Bleike bei so genanntem Strichwetter


In Andenes zurück standen wir für die Fährüberfahrt nach Gryllefjord an. Wenige Autos. Und bald ein Mann, der mit einer Tafel rumging. Die Fähre fuhr wegen einer technischen Störung nicht. Dumm. Denn es gibt bloss zwei am Tag (Nachsaison). Morgens und Abends. Meine Nachfrage beim Kapitän ergab, dass die technische Störung nicht wirklich stimmte. Sein zweiter Steuermann war krankheitsbedingt ausgefallen. Der aufgebotene Ersatz wird erst in der Nacht eintreffen. Somit darf er nicht fahren. Tja. Dumm gelaufen. Wir zurück von dort wo wir herkamen, das Rorbuer-Zimmer wieder buchen (dasselbe) und somit starten wir am frühen Dienstagmorgen einen neuen Versuch. Die Alternative wäre, rund 400 km runter- und raufzufahren. Nicht wirklich spassig. Dafür nutzten wir die Zeit, um die nächsten Tage in der Region Tromsø zu planen.

Sonntag, 11. August 2013

Velorennen & Walprogramm (aber 100%)

Stø ade hiess es heute. Nach einer Woche zogen wir weiter. Andenes war das Ziel. Und nochmals Wale beobachten. Denn der 1. Versuch war zwar eindrücklich, aber besser geht es schon. Kaum hatte ich die Walfahrt gebucht, wurden wir auf der Strasse ausgebremst. Die einzige Brücke, welche auf die Insel führt, auf der Andenes liegt, war von 12.00 bis 14.00 Uhr gesperrt. Grund dafür war das Velorennen "The Arctic Race of Norway". Dank Verhandlungsgeschick mit einem Polizisten gelang es mir, bereits um 13.00 Uhr über die Brücke "zu huschen". Er liess mich als einzigen Autofahrer hinter dem Rennfeld rüberfahren. So erreichten wir am Ende Andenes rechtzeitig.

Die Walsafari war dann einmalig eindrücklich. Wir sahen 3 Pottwale. Und so nahe, man konnte sie blasen hören. Genial. Eine kleine Auswahl an Bildern findet ihr hier. Plus einen kurzen Film eines abtauchenden Wales. Die Aufnahmen sind im Vergleich zu denen der 1. Walfahrt x-mal schöner. Auch dank der Sonne, die vom Himmel strahlte. 


Blasende Pottwale

Ein tauchender Pottwal



Kurze Filmsequenz mit Pottwal


Gabi erkundete in der Zwischenzeit die Küste von Andenes und genoss das tolle Wetter. Und nicht zuletzt suchte sie für uns eine Unterkunft für die Nacht. Die sie fand. Eine nette Bleibe neben dem Hafen von Andenes. Gemütlich und alles ist da, was wir brauchen. 


Andenes - Impressionen

Samstag, 10. August 2013

Adrenalinkick mit Powerhiking

Ja, heute war ein spannender Tag. Zuerst früh (05.30 Uhr) aufstehen. Um das Expressboot auf die Insel Skogsøya zu erwischen. Das hat geklappt. Auf der Insel war der Plan, auf den höchsten Berg zu steigen. Den Stigkollen (707m). Das hat auch geklappt. Aber wie. Der Aufstieg war ein ziemlicher Adrenalinkick. Die Wegspuren (zum Glück mit Markierungen) gingen schlicht gerade den Berg hinauf. Auf grösseren Strecken mussten wir die Hände zu Hilfe nehmen und uns teilweise an Birkenbüschen festhalten. Echt grenzwertig und wir waren froh, als wir oben waren. Gemäss Karte gibt es noch einen anderen Weg. Den wollten wir runtergehen. Bloss: wo ist er denn? Vermutlich irgendwo verschwunden. Somit mussten wir unsere Diretissima wieder runter. Was dann erstaunlich gut klappte. 


Kein Witz: 700 Höhenmeter einfach gerade rauf - teilweise fast senkrecht 


Panorama kurz unterhalb des Gipfels - der "Chrampf" hat sich gelohnt 

Unten am Meer angekommen, gab es eine Pause. Bis ich den Fahrplan für das Expressboot las. Da brach kurz Hektik aus und wir machten Powerhiking zum Schiffsanleger. Um dann zu merken, dass heute ja Samstag ist und das Schiff um die Zeit gar nicht fährt. Super! 4 Stunden Wartezeit. Was tun? Logisch: weiter gehen. Ins hinterste Eck der Insel. Wo es vermutlich das einzige Kaffeehaus gibt. Wenn es denn nicht, wie heute, geschlossen ist wegen einer Hochzeitsgesellschaft. Der Wirt war sehr nett und gab uns gratis Kaffee und Tee aus. Verbunden mit der Info, dass heute die norwegische Königin Sonja auf den Berg Øksnesheia gewandert sei. Ob das stimmt? Der Wirt insistierte jedenfalls, als ich meine Zweifel äusserte. Ihr erinnert euch an einen anderen Blogeintrag, in dem die ca. 75-jährige Dame vorkam? Ebenfalls als Wanderin. Weiter seien heute von Bergläufern 4 Elche gesichtet worden. Auf der Insel leben rund 50 Stück der Viecher. Plus Rentiere. Wir hingegen sahen einen Seeadler seine Kreise drehen und scheuchten im Aufstieg ein paar Birkhühner und oben ein paar Schneehühner auf. 

Jep, was ist nun mit den 4 Stunden? Wir legten uns bei der Kirche ins Gras. Kurz darauf kam das Expressboot, welches eigentlich in die falsche Richtung fuhr. Nochmals wurden wir kurz hektisch, packten alles zusammen, stiegen spontan zu und es hat sich gelohnt! 3 Stunden lang schipperten wir durch Fjorde, hatten wunderbare Aussichten auf die Berge der Vesterålen und genossen die Fahrt. Noch selten waren wir so froh, einen Fahrplan falsch gelesen zu haben. 


Und was wir sonst noch so sahen heute 



Freitag, 9. August 2013

Vogeljagd und kulinarischer Halt

Gestern Nyksund, heute Nykvåg. Besuch eines kleinen Ortes unten an der Westküste der Vesterålen. Angeblich gibt es dort Vogelfelsen und man kann die Vögel auch ohne Boot fotografieren. Nun ja. Das ist sicher so. Nämlich dann, wenn man ein Weltraumteleskop oder so hat. Ansonsten sieht man zwar aus der Ferne Felsen mit Kormoranen drauf. Die sind aber doch zu weit weg. Tja. Dafür hockte heute ein Seeadler auf einem Stein und wurde zum Fotoobjekt. Singschwäne fanden wir, zum Abschluss einen Fischreiher und auch die obligaten Austernfischer waren unterwegs. Über alles gesehen ein landschaftlich schöner Ausflug in ein Nest, wo sich Fuchs und Hase gute Nacht sagen. Oder eher Schwan und Schaf? 


Vogelwelt in Nykvåg - mit Schafen 

Am Abend fuhren wir auf dem Heimweg wieder raus nach Nyksund. Dort, wo wir gestern ein Restaurant fanden, das uns spontan gefiel. Heute assen wir dort einen feinen Znacht. Trudy: Es war superfein! Die Bilder sprechen Bände. 


Kafe Restaurant Ekspedisjonen in Nyksund - man isst dort sehr gut!

Donnerstag, 8. August 2013

Trondheim à la Miniature

Nyksund, ein kleiner Ort mit einer interessanten Geschichte, liegt um die Ecke. Wir nutzten eine trockene Phase am Nachmittag zwischen den sich jagenden Regenschauern für einen Besuch. Nyksund liegt am Ende einer rund 11 km langen Schotterstrasse. Diese führt direkt dem Atlantik entlang und bietet spannende Ausblicke. Vor allem bei der einen oder anderen Kurve hat man das Gefühl, direkt gen Wasser zu steuern.

Wir wurden mit dramatischen Stimmungen belohnt. Sonne und Wolken spielten mit. Dazu fanden wir mindestens zwei Essensadressen, von denen wir morgen Freitag am Abend wohl eine ausprobieren werden. Bloss ein paar Häuser hat der Ort, aber was braucht es mehr, wenn die Eindrücke stimmen? Im Gegensatz zu Trondheim sind die Häuser noch im alten Zustand erhalten und nicht durchgehend auf Neu getrimmt. 

Nyksund

Norwegische Wassermelonen?

Mittwoch, 7. August 2013

Heja Volvo - und Norwegisch für Anfänger

Heute Abend vor unserer Wohnung in Stø. Wo ist denn hier die Versammlung der Volvofahrer?


Und die geneigten Leserinnen und Leser sehen es - es ist nass und trüb
Nach all den schönen Tagen nutzten wir den trüben Tag zum Arbeiten und um die nächsten Tage zu planen. Denn mit dem Wochenende endet die Zeit der vorgeplanten Buchungen. Die Hochsaison ist vorbei. Ab jetzt können wir spontan irgendwo eine Unterkunft buchen. Da das Wetter wieder schön wird, steht auch zelten auf dem Programm.  

Auf der Reise ist uns aufgefallen, dass es hier in jedem grösseren Ort ein so genanntes "Legesenter" gibt. Wir rätselten, ob die Norwegerinnen viele Kinder gebären und das Gebärstationen sind. Die "Legesenter" liegen immer im Ort. Also fällt der mit den Hühnern, die Eier legen, weg. Ein Blick ins Wörterbuch belehrte uns dann: ein "Lege" ist ein Arzt. Und es handelt sich um die örtlichen Gesundheitscenter, wo zum Beispiel die Ärzte ihre Praxen haben. Und noch was. Wo "Tannlege" draufsteht, ist kein Förster mit einer Motorsäge drin. Sondern ein Zahnarzt.  

Dienstag, 6. August 2013

Bilder von der Walfahrt & Tour mit Atlantikblick

Den einzigen Kartenleser im Umkreis von 50 km gefunden und gekauft. Jetzt kann ich meine Fotos wieder bearbeiten :-). Trotz Defekt am USB-Stecker meiner Kamera. Somit sind die Eindrücke von der gestrigen Walfahrt jetzt im Blog. Ein paar Impressionen findet ihr unter diesem Link (er geht auf den Blogeintrag vom Walfahrttag)

Zum heutigen Dienstag: 

Der Wetterbericht sagt Regen an ab Mittag. Nun gut: früh aufstehen und am Mittag wieder zurück sein. Der Wecker beübt uns 40 Minuten lang. Immer erst nach Mitternacht ins Bett - wir können einfach die wunderschönen Abendstimmungen nicht lassen - so schaffen wir es kaum, richtig wach zu werden. 

Um 7 Uhr wandern wir direkt in Stø los, es geht der Atlantikküste entlang und die ersten Wolken sind schon da. Wir wissen nicht viel über den Verlauf der Tour, aber dass Königin Sonja von Norwegen hier schon gewandert ist. Das wird eine easy Tour, was passt zu unserer Müdigkeit. Bis zur ersten Steigung: nein, der Weg führt nicht flach vor dem Berg durch, sondern steigt 200hm an - und hinten wieder runter auf Meereshöhe ins kleine Nyksund. Wir verzichten auf den Abstecher und gehen weiter der Krete entlang. Ein Auf und Ab mit fantastischem Blick auf den Atlantik, vielen kleinen Seelein und am Schluss auf Stø. Bevor es fast senkrecht 400hm nach unten geht.

Eindrücke von unserer Stø Runde
Um 13 Uhr sind wir zurück, staunen über Königin Sonja, die recht bergtauglich gewesen sein muss, über unsere Höhenmeter von gut 900 und - über unser perfektes Timing. Es beginnt nämlich zu regnen!