Montag, 19. August 2013

Falsch sortiert

Arbeitstage in Köln. Ich stehe in Tromsø an der Sicherheitskontrolle des Flughafens. Bordkarte vorweisen. Die Dame teilt mit, dass heute der 19.08.13 sei, mein Billett aber für den 20.08.13 gelte. Ich staunte ziemlich. Und merkte rasch, dass ich beim Buchen offenbar das falsche Datum erwischt hatte. Also einpacken und an den Schalter. Zum Glück hatte ich genug Zeit. Ich konnte ein Billett für den sofortigen Flug kaufen. Damit passen nun die Anschlüsse. Von Oslo nach Berlin und weiter nach Köln. Sonst wäre das dann gar nicht gut gekommen. 

Sonntag, 18. August 2013

Glückspilze!

Über Nacht wechselte das Wetter. Prächtig sah es am Morgen aus. Wir waren glücklich, hatten wir doch den Rasmustind (1'224 MüM) auf der südlichen Halbinsel der Lyngenalpen für den heutigen Tag vorgesehen. Von diesem Gipfel hat man einen tollen Ausblick auf das Herz der Lyngenalpen. Zusätzlich eine 360° Rundsicht über alle Berge, die hier in der Gegend das Auge erfreuen. 

Schon der Einstieg zum Aufstieg war ein Traum. Ein Flusstal, urtümlich, sonnendurchflutet und glitzernd, da noch die Regentropfen von gestern an den Ästen der Birkenbüsche und am Gras hingen. Und eine Wegspur (Rentierwechsel), die gut zu gehen war. Weiter oben öffnete sich das Tal und wurde weiter. Wir schraubten uns Schritt für Schritt in die Höhe. Auf Wegspuren oder weglos. Ein Traum. Auf dem Gipfel dann die erhoffte Aussicht. Die Luft war ausserordentlich klar heute. Man sah weit. Und wir sahen viel. So genossen wir die herrliche Aussicht. Es war warm oben. T-Shirt Wetter. Um 16.00 Uhr machten wir uns an den Abstieg. Und rund 2 1/2 Stunden später waren wir wieder beim Auto auf 20 Meter über Meer. Natürlich nicht ohne den obligaten Heidelbeerhalt beim Abstieg. Es hat tonnenweise reife Beeren. Getroffen haben wir während der ganzen 8 Stunden Tour genau 0 Menschen. Dafür 6 Rentiere. So quasi mit den Rentieren auf Du und Du war das Motto. So nah waren sie. 


Eindrücke von der Tour auf den Rasmustind

Film vom 360° Panorama auf dem Rasmustind

Der Tag war schlicht perfekt. Und das späte Abendessen rundete den Sonntag ab. Satt, glücklich und zufrieden geniessen wir unser Privileg, hier oben unterwegs zu sein. 


Linsen, Kartoffeln, Rüebli und Banane an einer Curryrahmsauce, oben drauf ein im Ofen gegarter Lachs


Samstag, 17. August 2013

UV-Index 0

Im hohen Norden ist der UV-Index sogar bei tollstem Sonnenschein oft nur auf Stufe 2. Sprich: es ist kein Sonnenschutz nötig. Heute war der Index sogar auf 0. Denn es war stark bewölkt und begann am Nachmittag intensiv zu regnen. Ideal für mich, um einige Stunden für das Geschäft zu arbeiten. Und wir konnten die gemütliche Wohnung richtig geniessen. 

Auf dem Weg zum Einkaufen erfuhren wir Tromsø von unten. Unter der Stadt verlaufen die Strassen in grossen Tunnels im Fels. Drei grosse Verkehrskreisel sind in den Berg gebaut. Der Vorteil: man kommt locker untendurch und oberirdisch herrscht kein Verkehrschaos. Im Winter spart sich Tromsø erst noch einen rechten Teil des Winterdienstes. 

Wieder einmal, wie schon in Fauske, fragten wir uns, wie die grossen Supermärkte überleben können. Neben einem brandneuen Einkaufszentrum mit rund 120 Läden beim Flughafen, tummeln sich all die bekannten Grossverteiler Norwegens. Wir wählten heute den ICA aus. Die Kette kommt aus Schweden. Die Geschichte von den Verfallsdaten kennt ihr schon aus dem Blog. Würdet ihr ein frisches Pannacotta kaufen, welches seit 5 (!) Tagen abgelaufen ist? Notabene zum vollen Preis. Da bekommt das Wort "frisch" eine ganz neue Bedeutung. Wir sind langsam darauf spezialisiert, die gut geführten Läden zu suchen und dann dort einzukaufen. Es lohnt sich. 

Die Lebensqualität in Norwegen ist bekanntlich hoch. Es fällt auf, dass die Norweger offenbar nicht so lange arbeiten wie zum Beispiel wir. Hier in Tromsø, einer nicht so kleinen Stadt, schliessen die Läden werktags im Stadtzentrum um 17.00 Uhr. Und offen sind sie ab 10.00 Uhr. Zum Glück haben die Lebensmittelläden länger offen. Wir hätten sonst ein Nachschubproblem. Interessanterweise erschien im März 2013 in der Handelszeitung ein Artikel zum Thema. 

Im Einkaufszentrum fielen Kinder auf, die an einem Schachturnier teilnahmen. Wie ich herausfand, findet die nächste Schacholympiade vom 01.-14.08.2014 hier statt.

Oben: Schachnachwuchs beim Turnier / Unten links: "Kissenvorhang" in der Wohnung / Unten rechts: Trübes Wetter in Tromsø





Freitag, 16. August 2013

Wer läuft mir da durch den Salat?

Morgens um 04.00 Uhr. Es regnet. Und dann: in der Wetterküche haben sie ins richtige Regal gegriffen und die Variante "wolkenlos blauer Himmel mit viel Sonne und Wärme" rausgenommen. Heute hatte es, ohne Heizung, über 20 Grad. Ein Prachtstag. So blieb uns nicht anderes übrig, als eine Bergwanderung zu machen ;-). Der Tromsdalstinden (1'238 MüM) stand auf dem Programm. In einer leicht abgewandelten Form. Nämlich mit Start und Ziel auf dem Storsteinen. Was am Ende eine 8 1/2 stündige Tour mit knapp 1'700 Höhenmetern ergab. Es war einfach nur schön. 

Und der mit dem Salat? Nach dem Abstieg vom Tromsdalstinden mussten wir nochmals aufsteigen. Gen Seilbahn. Dabei wählten wir die Freestyle-Variante, da uns der Weg zu weit unten war. Und siehe da. Wir kamen hinter ein paar Felsen hervor und ein ganzes Rudel Rentiere blickte überrascht. Die fragten sich wohl, wieso da zwei Touristen mitten durch ihren Salat latschen. Beide Parteien entschieden sich, ruhig zu bleiben und sich gegenseitig zu beobachten. Bei den Rentieren hatte es zwei Prachtsexemplare mit riesigen Geweihen dabei. Imposant. Und für uns ein Grund, den Abstand von 20 Metern nicht zu verkleinern. Auch wenn das weisse Rentier extrem gwundrig war und näher kam. 




Der Tromsdalstinden ist eine sehr empfehlenswerte Bergwanderung. Zur Abwechslung sogar mit Weg und mal nicht überhängend. Die Aussicht von oben ergibt ein 360° Panorama. Man sieht die Berge der Lyngenalpen genauso wie die ganzen Fjorde rum um Tromsø. Einmalig. Vor allem bei den Verhältnissen, die wir heute hatten. Sogar auf dem Gipfel war T-Shirt Wetter angesagt. Der Aufstieg vertrug kurze Hosen. Was für ein Gegensatz zur Kälte von gestern. 


Oben links: Biologisches Wegzeichen / Grosses Bild: der Tromsdalstinden

Donnerstag, 15. August 2013

20 Grad auf dem Gipfel (791 MüM)

Wir hatten heute tatsächlich 20 Grad auf dem Gipfel des Kjølen (791 MüM), direkt neben Tromsø gelegen. Auf diese Temperatur heizt dort oben der Thermostat die Schutzhütte :-). Draussen wabberten Nebelschwaden über das Gipfelplateau und das Rucksackthermometer meinte, es sei 7 Grad. Unser Eindruck war auch eher frostig. Die erhoffte Aussicht fiel aus. Von der Schutzhütte wussten wir aus dem Routenbeschrieb. Dass diese Strom und eine automatische Heizung hat, war die angenehme Überraschung. Das Sandwich an der Wärme zu geniessen ist klar angenehmer als draussen an der Kälte zu sitzen. Der Aufstieg auf den Berg war zur Abwechslung leicht zu finden. Auch wenn der Weg eine lange Kurve machte, deren Sinn sich uns nicht wirklich erschloss. Dafür trotteten wir 30 Minuten länger rauf. Schön war es trotzdem. Tromsø liegt bereits im Gebiet des Volkes der Samen. Ergo war es logisch, dass wir ein Rentier antrafen. Vermutlich werden von denen noch viel mehr sehen, sobald wir weiter gen Norden kommen. Ich habe das Tier trotzdem abgelichtet. 


Ein einsames Rentier

Die kleine Schutzhütte rechts war schön warm 

Vor der Bergwanderung stand unser Logiswechsel an. Wir packten alles Gepäck zusammen, schleppten es drei halsbrecherisch steile Treppen nach unten und verluden es ins Auto. An der Reception teilten sie uns mit, dass wir, im Gegensatz zur gestrigen Auskunft, in unserer Dachwohnung bleiben können. Tja, Freude und Frust über das sinnlose Geschleppe hielten sich in etwa die Waage. Am Abend schleppten wir alles wieder hoch. Und haben dafür eine geputzte Wohnung. Immerhin. 

Zum Znacht kochten wir einmal mehr fein. Spinat, Kartoffeln, Champignons, Schalotten und Knoblauch als Gratin. Bedeckt von ein wenig Käse und darüber garte ein fangfrisches Dorschfilet. Es war mega lecker! Eine Küche mit Backofen ist der wahre Luxus. 

Und von der Technikfront: Staub auf dem Sensor der Spiegelreflex. Seit gestern. Der Staub war sehr anhänglich und hat sich hartnäckig allen Putzversuchen wiedersetzt. Jetzt hat er aufgegeben und die Testaufnahmen sind sauber. Ich hoffe, das bleibe so. 

Bergwanderung fast um Mitternacht

Wir sind nachtaktiv. Mit der Luftseilbahn fuhren wir um 22.00 Uhr auf den Storsteinen. Dem Aussichtsberg von Tromsø und 421 MüM. In einer knappen halben Stunde wanderten wir auf den Fløya, einem Gipfel auf 671 MüM. Die Aussicht auf das nächtlich beleuchtete Tromsø war einmalig schön. Wir waren am Ende alleine auf dem Berg. Knapp nach halb zwölf fuhr das Hurtigrutenboot unter der grossen Brücke durch und legte in Tromsø an. Es hat sich gelohnt, am späten Abend auf den Berg zu fahren und nicht am Tag. Ende Woche fährt die Bahn nicht mehr bis 01.00 Uhr und die einmaligen Ausblicke zu später Stunde sind vorbei. 



Tromsø kurz vor Mitternacht - mit Hurtigruten bei der Hafeneinfahrt

In Tromsø besuchten wir heute das Polaria. Ein Museum das sich der arktischen Welt annimmt. Gelockt haben uns zwei Filme. Einer über Spitzbergen, der andere über die Polarlichter. Würden wir nochmals gehen? Wohl eher nicht. Auch wenn der Film über Spitzbergen durchaus schön anzusehen war. Der Streifen über Polarlichter war nicht wirklich toll. 

Weiter war die Mack-Brauerei auf der Liste der zu besuchenden Punkte. Hier wird das nördlichste Bier gebraut. Wir fragten uns gestern, wieso die Brauereigebäude so heruntergewirtschaftet aussehen. Die Antwort fanden wir heute: die Brauerei (Produktion) ist im Herbst 2012 ausgezogen und hat 70km von Tromsø weg ein brandneues Fabrikationsgebäude bezogen. Die alten Hallen stehen grösstenteils leer. Und harren wohl ihrer Umnutzung. 

Tromsø

Weiter planten wir heute unsere nächsten Etappen um. Die Lyngenalpen entpuppten sich als nicht wirklich wanderbar. Zu steil, zu weglos und nicht mal für Norweger für Wanderungen geeignet. Sie sind primär im Winter interessant. Für Freeriding und Skitouren. Wir entschieden uns, länger in Tromsø zu bleiben und von hier aus Bergwanderungen zu unternehmen. Was dann zur Folge hatte, dass wir in Sachen Appartement ins Dribbeln kamen. Die Verhandlungen sind schon weit gediehen. Morgen sehen wir, wo wir genau logieren werden. Ein Umzug muss auf jeden Fall sein. 


Dienstag, 13. August 2013

Picknick mit Delfin & Mitternachtskonzert

Heute hat es geklappt mit der Fähre ab Andenes gen Gryllefjord. Wir stachen um 08.30 Uhr in See und bewegten uns in Richtung Tromsø. Das Wetter schwächelte. Mit der versprochenen Sonne war nicht viel los. Sie fiel streckenweise in flüssiger Form vom Himmel. Gegen Mittag wurde es freundlicher. Auf der Reise entschlossen wir uns, der Küstenstrasse zu folgen statt den kürzeren Weg durchs Inland zu nehmen. Obwohl die Berge zu Beginn verhangen waren. Der Abstecher hat sich gelohnt! Die Küste ist wild, die Berge hoch und die Anzahl Fjorde gross. Im 2002, mit dem Velo, standen Ali und ich mal vor einer Wand. Die dazu führte, dass wir eine Fähre verpassten. Diese Passstrasse fuhren wir heute wieder. Und stellten fest, dass ein vor 11 Jahren noch fehlendes Strassenstück ergänzt worden ist. Die Norweger haben einfach ein Loch in den Berg gebohrt und einen netten Tunnel gebaut. Es ist immer wieder erstaunlich, wie viel Geld hier in Tunnels und Brücken investiert wird. 



Aussichtsrampe "Tungeneset" für Touristen an der Landschaftsroute Senja


Wolkiges Wetter gibt tolle Stimmungen

Beim Mittagessen genossen wir unsere bequemen Campingstühle. Während unserem Picknick am Strand eines Fjordes traute ich meinen Augen nicht. Die Rückenflosse eines Delfins durchstiess das Wasser nahe von uns. Mehrmals schwamm das Tier vor unseren Augen vorbei :-).


Fjordpicknick - 10 Minuten später schwamm hinten ein Delfin
Am späten Nachmittag trafen wir in Tromsø ein. Ich hatte dort gestern ein Appartement gebucht. Für rund Fr. 150.00 pro Nacht (für 2 Personen!). Wir staunten nicht schlecht. Das Appartement entpuppte sich als 2 Zimmer Dachwohnung. In einem alten Holzhaus, topmodern umgebaut. Wahnsinn. Es kommt noch besser: Am selben Ort habe ich ab Sonntag eine ganze Woche gebucht :-).

Als Tagesabschluss besuchten wir das Mitternachtskonzert in der Eismeerkathedrale. Empfehlenswert laut Tipp von Rosa und meinem Vater. Und das zweitletzte Mal diesen Sommer (!). Wir haben die wunderbare Akkustik und die spezielle Architektur des Baus genossen. Genauso wie die Musik der drei Interpreten (Sopran, Flügelhorn, Piano und Orgel). Ein schöner Abschluss eines interessanten Tages. Merci für den Tipp.  


Mitternächtliche Eismeerkathedrale (Ishavskatedralen) in Tromsø