Dienstag, 10. September 2013

Lichtjäger

In einer Parkbucht an der E10 in der Nähe von Abisko schlage ich mir die dritte Nacht in Folge um die Ohren. Es ist neblig. Und feucht. Trotzdem ist ein Loch gen Himmel offen. Wo heute tatsächlich Polarlichter leuchten. Stativ und Kamera kann ich mitten auf die Fahrbahn stellen. In den letzten 2 Stunden kamen 3 Autos vorbei. Ziemlich ruhig ist es hier :-)

Die Aktivität der Lichter schwankt. Ich sehe die wabbernden und wandernden Lichter erstaunlicherweise gut. Der Nebel lässt "mein" Loch offen. Lebhafte Lichtformen, die ich bis jetzt nicht sah, tanzen über die ganze Breite des Horizonts.

Morgen soll die Aktivität höher sein gemäss Vorhersage. Übermorgen sogar noch besser. Auf einer Stufe (4), die ich noch nie hatte. Hoffentlich ist das Wetter besser als angesagt. Sonst hat es nämlich Wolken. Sind diese zu dicht, ist nichts mit den gesuchten Lichtern. 

PS: der Elch kam übrigens nicht ...


Originalaufnahme ohne digitale Bildbearbeitung
Canon EOS 7D // Objektiv 10-22mm f/3.5-23 // ISO640 // F/11 // Brennweite 10mm // Belichtungszeit 198s // unbearbeitet

Montag, 9. September 2013

Gemütlich tun ...

... tut gut. Das tolle Wetter hält an. Wir entscheiden uns, den Tag ruhig anzugehen und die Sonne zu geniessen. Vor allem, weil wir in der Nacht bis fast um 03.00 Uhr auf Polarlichter ansassen. Die Voraussetzungen waren sehr gut. Klarer Himmel, kein Wind. Und gemäss Voraussage eine Chance auf Aktivitäten. Am Ende passierte gar nichts. Wir schauten fast 3 Stunden lang Löcher in den Himmel. Das Sternenmeer war sicher schön. Aber eben: Polarlichter waren gefragt. Auffällig war es, wie viele Leute zu später Stunde in Abisko in die Landschaft ausgerückt sind.

Den Tag verbrachten wir in der Umgebung von Abisko. Faulenzen, an der Sonne liegen und Fotos schiessen. Eben: Gemütlich tun. 

Und ein wenig träumen: In der Nacht gibt es Polarlichter. Diese tauchen die Landschaft in ein grünes Licht. Von rechts spaziert ein kapitaler Elchbulle mit grossem Geweih langsam ins Bild. Er bleibt stehen. Die Polarlichter feuern. Und der Fotograf macht sagenhafte Bilder. Ok, der Elch darf auch von links ins Bild spazieren :-).


Sonntag, 8. September 2013

Der Traum geht weiter

Am Samstag sanken wir voll mit Eindrücken in den Schlafsack. Die Nacht war gerade nochmals eindrücklich - siehe der Blogeintrag mit dem Polarlicht. Am Sonntag geht es nach dem Aufstehen im selben Stil weiter. Unsere Fjälltour führt uns durch verschiedene Landschaftstypen. Zuerst viel Fels, dann Grasland, später Birkenbüsche und am Ende ein Stück durch den Wald. 

Das Wetter: wolkenlos blauer Himmel und herbstlich warm. Obwohl es über Nacht gefroren war. Verhältnisse wie aus dem Prospekt. Und die Landschaft erschlägt einem fast mit der Farbenpracht. 

Am späten Samstagnachmittag sind wir zurück in Abisko. 50km mehr in den Sohlen der Wanderschuhe. Und Bilder im Kopfkino, die haben wir uns in den kühnsten Träumen nicht so eindrücklich vorgestellt. 

Wir wissen jetzt auch, wieso die Abisko Turiststation so beliebt ist. Der Service ist genial. Das Essen sehr fein und man fühlt sich einfach rundum wohl. So haben wir unseren Reiseplan angepasst und bleiben bis Donnerstag hier. 

In einer Woche ist Saisonschluss und im Vergleich zum August ist es merklich ruhiger hier. So richtig entspannt und zum Geniessen. 



Kino - Nachtvorführung

Samstagabend, eigentlich sind wir müde und wollen schlafen. Der Himmel ist klar, das Sternenmeer einmalig schön. Wir gehen ins Bett.

Um 01.00 Uhr muss ich auf die Toilette. Und schaue sicherheitshalber in den Himmel, ob sich in Sachen Polarlicht was tut. Und siehe da: draussen ist Nachtvorstellung. Bis um 03.00 Uhr sind wir draussen und sehen Polarlichter. Nicht allzu stark. Aber trotzdem gut sichtbar. Genial. Und das alles ganz alleine in einer einsamen Berghütte. Denn die Schweden haben alle geschlafen. Sie sind sich da wohl bessere Vorstellungen gewöhnt ;-)



Samstag, 7. September 2013

Traum auf dem Fjäll

Zuerst fährst du Sesselbahn. Notabene eine Bahn von Brändle, Zürich. Dann steigst du auf einem einfachem Weg auf den Njullá (1'164 müM). Nachher wanderst du stundenlang durch das Fjäll. Du geniesst die grossartige Einsamkeit in der weiten Landschaft. Sie leuchtet in den tollsten Herbstfarben. Den Weg musst du manchmal suchen. Die Karte ist eher eine Zeichnung und gibt höchstens eine Idee, wo der Weg verlaufen könnte. Der Weg dauert länger als geplant. Denn in Wirklichkeit ist er nicht so gerade wie auf der Karte. Die Stimmungen, die das Licht gestaltet, sind wunderbar. Das Wetter ist herbstlich kühl. Der Wind bläst und so fühlen sich die 4 Grad kalt an, trotz Sonne. 

Auf dem Weg stolperst du fast über einen Schneehahn und drei Schneehühner. Sie flüchten nicht und lassen sich ablichten. Gabi bemerkt währenddessen ein Rudel Rentiere. Die uns beobachten und in einem grossen Bogen umgehen. 

Du steigst auf den Passübergang, wo der Nebel wabbert. Die Sicht ist gerade noch gut genug um das nächste Wegzeichen zu sehen. Bald lichtet sich der graue Vorhang zum Teil und lässt die Abendsonne durch. Rechts von dir taucht plötzlich ein grosser Gletscher aus dem Nebel auf. Auf der Karte keine Spur davon. 

Am Ende läufst du direkt aus dem Nebel auf die Hütte zu. Die endlich auftaucht. Es ist 20.30 Uhr, die Hütte wunderbar gemütlich und geheizt. Der Empfang herzlich. Die Hütte ist die höchstgelegene Berghütte Schwedens, liegt auf 1'230 müM und heisst Låktatjåkkastugan.

Du bestellst heisses Wasser und bereitest das Trekkingmenu zu, das du zur Hochzeit geschenkt bekommen hast. Dazu trinkst du ein kühles Bier. Das Menü ist gut, was dich überrascht. 

Nach dem Kaffee sitzt du satt und zufrieden am Kaminfeuer an der höchsten Bar Schwedens auf 1'250 Meter über Meer. Und du wärst verrückt, wenn du nicht glücklich und zufrieden wärst! Was für Gabi und mich gilt :-).

PS: Der höchste Briefkasten Schwedens hängt ebenfalls hier oben.



Freitag, 6. September 2013

Hello again - in Abisko

Am 1. August 2013 waren wir in Abisko. Am 6. September 2013 sind wir wieder in Abisko. Ein Kreis hat sich geschlossen. Schöne Erlebnisse und viele tolle Eindrücke durften wir in der Zwischenzeit geniessen. 

Jetzt ist gutes Wetter für Samstag und Sonntag angesagt. Das wollen wir nutzen und gehen ins Fjäll. Wir haben unser Programm spontan umgestellt. Kiruna muss noch ein wenig warten. Und beim Blog kann es ebenfalls eine kleine Pause geben. 


Die Fahrt von Kautokeino nach Abisko verlief ruhig. Wir verliessen Norwegen und fuhren nochmals kurz durch Finnland bevor wir in Schweden landeten. Dort wurden wir perfekt geleitet. Das wir in der langen Baustelle einen Berner Landrover kreuzten, merkte ich erst heute Abend auf dem Foto ;-). Das Wetter ist noch immer warm. Teilweise schien auch heute die Sonne und brachte die Landschaft zum Leuchten. Über Nacht soll es Regen geben. Verbunden mit einer markanten Abkühlung und dem erwähnten schönen Wetter. 

Abisko hat gemäss Wikipedia 85 Einwohner. Und einen Laden, den "Lapporten Storkmarknad", bei dem wir heute ob seiner Grösse staunten. Irgendwoher müssen da viele, viele Leute zum Einkaufen kommen. Die Berge von Lebensmitteln (Fleisch, Käse, usw.) muss ja irgendwer essen. Ob das Norweger sind, die von den bis zu 50% tieferen Lebensmittelpreisen in Schweden profitieren? Die Vermutung liegt nahe. Denn im Laden haben sie heute Abend aufgefüllt wie die Weltmeister. Morgen ist Samstag, die Grenze ca. 35km entfernt. Da wird wohl eine Horde Norweger die Regale leerkaufen. Wir lernten in der Nordkapregion Leute kennen, die fahren 500km um in einem finnischen Baumarkt einzukaufen. Weil die Preise einem Bruchteil dessen entsprechen, was sie in Norwegen hinblättern. Unter dem Strich rechnet sich das, trotz Fahrkosten. Die Welt ist schon verrückt. 


Oben Links: immer mir nach!
Oben Rechts: der Landrover kommt aus dem Kanton Bern
Unten Links: Rentiere hat es noch immer
Unten Rechts: "Lapporten" - die Hauptattraktion 

Donnerstag, 5. September 2013

Farbenmeer oberhalb des Polarkreises; garniert mit Elch

Sonne und 20 Grad. Das Wetter zeigte sein Prachtsprogramm. Von Kirkenes weg fuhren wir ins Landesinnere. Davon ein Stück durch Finnland. Das einzige Mal auf unserer Reise, wo wir Finnland kurz berührten. Typisch präsentierte sich die Landschaft. Jede Menge Seen und viele, viele Kiefern. Alles herausgeputzt in den herbstlichen Farben. Eine Augenweide. 

Weiter ging es ein wenig in die Höhe. Die Tundra hat hier ihr prächtigstes Herbstkleid angezogen. Die Sonne hat das Farbenmeer perfekt zur Geltung gebracht. Bis nach Kautokeino "badeten" wir in den Farben. Wir haben den Tag aus vollen Zügen genossen. 

Unterwegs, in Karasjok, dem Hauptort der Samen, mit einem Museum und dem Parlament, folgten wir dem Wegweiser zur "Strikkestue". Dahinter vermuteten wir die Firma "Graveniid". Gabi hat auf dem Samenmarkt am Samstag ein paar gestrickte Hosen dieser Firma erstanden. Und siehe da: das kleine Haus beherbergt tatsächlich das Atelier, aus dem Gabi's Teil stammt. Klein aber fein kann man da sagen. Und perfekt vermarktet. 

Der Höhepunkt des Tages ereignete sich fast pünktlich um 12.00 Uhr Mittags. Ein Elchkalb stand mit seiner Mutter direkt am Strassenrand. Beschienen von der Sonne. Herrlich. Wir genossen den Anblick von Auge. Für ein Foto reichte die Zeit nicht. Die beiden Elche mussten ins Gebüsch ;-). Abends traf ich noch ein Rentier. Auf dem Teller. In Scheiben geschnitten, geräuchert, schön zart und begleitet von Gemüse. Seit langer Zeit sind wir wieder mal auswärts essen gegangen. 

Finnischer Seengruss

Kurz vor Kautokeino