Donnerstag, 15. August 2013

20 Grad auf dem Gipfel (791 MüM)

Wir hatten heute tatsächlich 20 Grad auf dem Gipfel des Kjølen (791 MüM), direkt neben Tromsø gelegen. Auf diese Temperatur heizt dort oben der Thermostat die Schutzhütte :-). Draussen wabberten Nebelschwaden über das Gipfelplateau und das Rucksackthermometer meinte, es sei 7 Grad. Unser Eindruck war auch eher frostig. Die erhoffte Aussicht fiel aus. Von der Schutzhütte wussten wir aus dem Routenbeschrieb. Dass diese Strom und eine automatische Heizung hat, war die angenehme Überraschung. Das Sandwich an der Wärme zu geniessen ist klar angenehmer als draussen an der Kälte zu sitzen. Der Aufstieg auf den Berg war zur Abwechslung leicht zu finden. Auch wenn der Weg eine lange Kurve machte, deren Sinn sich uns nicht wirklich erschloss. Dafür trotteten wir 30 Minuten länger rauf. Schön war es trotzdem. Tromsø liegt bereits im Gebiet des Volkes der Samen. Ergo war es logisch, dass wir ein Rentier antrafen. Vermutlich werden von denen noch viel mehr sehen, sobald wir weiter gen Norden kommen. Ich habe das Tier trotzdem abgelichtet. 


Ein einsames Rentier

Die kleine Schutzhütte rechts war schön warm 

Vor der Bergwanderung stand unser Logiswechsel an. Wir packten alles Gepäck zusammen, schleppten es drei halsbrecherisch steile Treppen nach unten und verluden es ins Auto. An der Reception teilten sie uns mit, dass wir, im Gegensatz zur gestrigen Auskunft, in unserer Dachwohnung bleiben können. Tja, Freude und Frust über das sinnlose Geschleppe hielten sich in etwa die Waage. Am Abend schleppten wir alles wieder hoch. Und haben dafür eine geputzte Wohnung. Immerhin. 

Zum Znacht kochten wir einmal mehr fein. Spinat, Kartoffeln, Champignons, Schalotten und Knoblauch als Gratin. Bedeckt von ein wenig Käse und darüber garte ein fangfrisches Dorschfilet. Es war mega lecker! Eine Küche mit Backofen ist der wahre Luxus. 

Und von der Technikfront: Staub auf dem Sensor der Spiegelreflex. Seit gestern. Der Staub war sehr anhänglich und hat sich hartnäckig allen Putzversuchen wiedersetzt. Jetzt hat er aufgegeben und die Testaufnahmen sind sauber. Ich hoffe, das bleibe so. 

Bergwanderung fast um Mitternacht

Wir sind nachtaktiv. Mit der Luftseilbahn fuhren wir um 22.00 Uhr auf den Storsteinen. Dem Aussichtsberg von Tromsø und 421 MüM. In einer knappen halben Stunde wanderten wir auf den Fløya, einem Gipfel auf 671 MüM. Die Aussicht auf das nächtlich beleuchtete Tromsø war einmalig schön. Wir waren am Ende alleine auf dem Berg. Knapp nach halb zwölf fuhr das Hurtigrutenboot unter der grossen Brücke durch und legte in Tromsø an. Es hat sich gelohnt, am späten Abend auf den Berg zu fahren und nicht am Tag. Ende Woche fährt die Bahn nicht mehr bis 01.00 Uhr und die einmaligen Ausblicke zu später Stunde sind vorbei. 



Tromsø kurz vor Mitternacht - mit Hurtigruten bei der Hafeneinfahrt

In Tromsø besuchten wir heute das Polaria. Ein Museum das sich der arktischen Welt annimmt. Gelockt haben uns zwei Filme. Einer über Spitzbergen, der andere über die Polarlichter. Würden wir nochmals gehen? Wohl eher nicht. Auch wenn der Film über Spitzbergen durchaus schön anzusehen war. Der Streifen über Polarlichter war nicht wirklich toll. 

Weiter war die Mack-Brauerei auf der Liste der zu besuchenden Punkte. Hier wird das nördlichste Bier gebraut. Wir fragten uns gestern, wieso die Brauereigebäude so heruntergewirtschaftet aussehen. Die Antwort fanden wir heute: die Brauerei (Produktion) ist im Herbst 2012 ausgezogen und hat 70km von Tromsø weg ein brandneues Fabrikationsgebäude bezogen. Die alten Hallen stehen grösstenteils leer. Und harren wohl ihrer Umnutzung. 

Tromsø

Weiter planten wir heute unsere nächsten Etappen um. Die Lyngenalpen entpuppten sich als nicht wirklich wanderbar. Zu steil, zu weglos und nicht mal für Norweger für Wanderungen geeignet. Sie sind primär im Winter interessant. Für Freeriding und Skitouren. Wir entschieden uns, länger in Tromsø zu bleiben und von hier aus Bergwanderungen zu unternehmen. Was dann zur Folge hatte, dass wir in Sachen Appartement ins Dribbeln kamen. Die Verhandlungen sind schon weit gediehen. Morgen sehen wir, wo wir genau logieren werden. Ein Umzug muss auf jeden Fall sein. 


Dienstag, 13. August 2013

Picknick mit Delfin & Mitternachtskonzert

Heute hat es geklappt mit der Fähre ab Andenes gen Gryllefjord. Wir stachen um 08.30 Uhr in See und bewegten uns in Richtung Tromsø. Das Wetter schwächelte. Mit der versprochenen Sonne war nicht viel los. Sie fiel streckenweise in flüssiger Form vom Himmel. Gegen Mittag wurde es freundlicher. Auf der Reise entschlossen wir uns, der Küstenstrasse zu folgen statt den kürzeren Weg durchs Inland zu nehmen. Obwohl die Berge zu Beginn verhangen waren. Der Abstecher hat sich gelohnt! Die Küste ist wild, die Berge hoch und die Anzahl Fjorde gross. Im 2002, mit dem Velo, standen Ali und ich mal vor einer Wand. Die dazu führte, dass wir eine Fähre verpassten. Diese Passstrasse fuhren wir heute wieder. Und stellten fest, dass ein vor 11 Jahren noch fehlendes Strassenstück ergänzt worden ist. Die Norweger haben einfach ein Loch in den Berg gebohrt und einen netten Tunnel gebaut. Es ist immer wieder erstaunlich, wie viel Geld hier in Tunnels und Brücken investiert wird. 



Aussichtsrampe "Tungeneset" für Touristen an der Landschaftsroute Senja


Wolkiges Wetter gibt tolle Stimmungen

Beim Mittagessen genossen wir unsere bequemen Campingstühle. Während unserem Picknick am Strand eines Fjordes traute ich meinen Augen nicht. Die Rückenflosse eines Delfins durchstiess das Wasser nahe von uns. Mehrmals schwamm das Tier vor unseren Augen vorbei :-).


Fjordpicknick - 10 Minuten später schwamm hinten ein Delfin
Am späten Nachmittag trafen wir in Tromsø ein. Ich hatte dort gestern ein Appartement gebucht. Für rund Fr. 150.00 pro Nacht (für 2 Personen!). Wir staunten nicht schlecht. Das Appartement entpuppte sich als 2 Zimmer Dachwohnung. In einem alten Holzhaus, topmodern umgebaut. Wahnsinn. Es kommt noch besser: Am selben Ort habe ich ab Sonntag eine ganze Woche gebucht :-).

Als Tagesabschluss besuchten wir das Mitternachtskonzert in der Eismeerkathedrale. Empfehlenswert laut Tipp von Rosa und meinem Vater. Und das zweitletzte Mal diesen Sommer (!). Wir haben die wunderbare Akkustik und die spezielle Architektur des Baus genossen. Genauso wie die Musik der drei Interpreten (Sopran, Flügelhorn, Piano und Orgel). Ein schöner Abschluss eines interessanten Tages. Merci für den Tipp.  


Mitternächtliche Eismeerkathedrale (Ishavskatedralen) in Tromsø

Montag, 12. August 2013

300 km, 2 Kaffee, 1 Ladegerät und ein Ausfall

Gestern Nacht, nach dem Blogschreiben. Der Schreck: Wo ist mein Ladegerät für das Notebook? Jedenfalls nicht dort, wo es sein sollte. Nach kurzem Überlegen die Erkenntnis: Das Teil hängt an der Steckdose. Die ist in Stø. Und Stø ist 150 km weit weg. Die Freude war mässig. Somit heute statt ausschlafen früh aufstehen, ins Auto sitzen und retour nach Stø. 300 km, 2 Statoil-Kaffees und rund 5 Stunden später war das Netzteil in Andenes. Ich hoffe, das passiere mir nicht nochmals.

Gestern entdeckten wir in Andenes einen Aushang. Papageientauchersafari in Bleike war das Thema. Das Wetter hätte heute schön sein sollen. Es war dann trüb. Wir entschieden uns, die anderthalbstündige Fahrt mit einem kleinen Fischerboot anzutreten. Und es hat sich gelohnt. Fotografisch weniger, da ich wie ihr wisst, kein Weltraumteleskop habe. Aber vom Schauen her war es super. Bis zu 6 Seeadler zusammen in der Luft, Hunderte von Papageientauchern pfeilten durch Luft und Wasser. Kormorane dekorierten die Felsen, Austernfischer spazierten auf und ab und auch die obligaten Möven in diversen Ausführungen fehlten nicht. Wir erwischten einen der letzten Tage, an denen die Papageientaucher noch hier sind. Bald ziehen sie für 8 Monate auf's offene Meer. Gabi und mir hat es gefallen.

Ausschnittsvergrösserter Papageientaucher (deshalb ein wenig unscharf)

Bleike bei so genanntem Strichwetter


In Andenes zurück standen wir für die Fährüberfahrt nach Gryllefjord an. Wenige Autos. Und bald ein Mann, der mit einer Tafel rumging. Die Fähre fuhr wegen einer technischen Störung nicht. Dumm. Denn es gibt bloss zwei am Tag (Nachsaison). Morgens und Abends. Meine Nachfrage beim Kapitän ergab, dass die technische Störung nicht wirklich stimmte. Sein zweiter Steuermann war krankheitsbedingt ausgefallen. Der aufgebotene Ersatz wird erst in der Nacht eintreffen. Somit darf er nicht fahren. Tja. Dumm gelaufen. Wir zurück von dort wo wir herkamen, das Rorbuer-Zimmer wieder buchen (dasselbe) und somit starten wir am frühen Dienstagmorgen einen neuen Versuch. Die Alternative wäre, rund 400 km runter- und raufzufahren. Nicht wirklich spassig. Dafür nutzten wir die Zeit, um die nächsten Tage in der Region Tromsø zu planen.

Sonntag, 11. August 2013

Velorennen & Walprogramm (aber 100%)

Stø ade hiess es heute. Nach einer Woche zogen wir weiter. Andenes war das Ziel. Und nochmals Wale beobachten. Denn der 1. Versuch war zwar eindrücklich, aber besser geht es schon. Kaum hatte ich die Walfahrt gebucht, wurden wir auf der Strasse ausgebremst. Die einzige Brücke, welche auf die Insel führt, auf der Andenes liegt, war von 12.00 bis 14.00 Uhr gesperrt. Grund dafür war das Velorennen "The Arctic Race of Norway". Dank Verhandlungsgeschick mit einem Polizisten gelang es mir, bereits um 13.00 Uhr über die Brücke "zu huschen". Er liess mich als einzigen Autofahrer hinter dem Rennfeld rüberfahren. So erreichten wir am Ende Andenes rechtzeitig.

Die Walsafari war dann einmalig eindrücklich. Wir sahen 3 Pottwale. Und so nahe, man konnte sie blasen hören. Genial. Eine kleine Auswahl an Bildern findet ihr hier. Plus einen kurzen Film eines abtauchenden Wales. Die Aufnahmen sind im Vergleich zu denen der 1. Walfahrt x-mal schöner. Auch dank der Sonne, die vom Himmel strahlte. 


Blasende Pottwale

Ein tauchender Pottwal



Kurze Filmsequenz mit Pottwal


Gabi erkundete in der Zwischenzeit die Küste von Andenes und genoss das tolle Wetter. Und nicht zuletzt suchte sie für uns eine Unterkunft für die Nacht. Die sie fand. Eine nette Bleibe neben dem Hafen von Andenes. Gemütlich und alles ist da, was wir brauchen. 


Andenes - Impressionen

Samstag, 10. August 2013

Adrenalinkick mit Powerhiking

Ja, heute war ein spannender Tag. Zuerst früh (05.30 Uhr) aufstehen. Um das Expressboot auf die Insel Skogsøya zu erwischen. Das hat geklappt. Auf der Insel war der Plan, auf den höchsten Berg zu steigen. Den Stigkollen (707m). Das hat auch geklappt. Aber wie. Der Aufstieg war ein ziemlicher Adrenalinkick. Die Wegspuren (zum Glück mit Markierungen) gingen schlicht gerade den Berg hinauf. Auf grösseren Strecken mussten wir die Hände zu Hilfe nehmen und uns teilweise an Birkenbüschen festhalten. Echt grenzwertig und wir waren froh, als wir oben waren. Gemäss Karte gibt es noch einen anderen Weg. Den wollten wir runtergehen. Bloss: wo ist er denn? Vermutlich irgendwo verschwunden. Somit mussten wir unsere Diretissima wieder runter. Was dann erstaunlich gut klappte. 


Kein Witz: 700 Höhenmeter einfach gerade rauf - teilweise fast senkrecht 


Panorama kurz unterhalb des Gipfels - der "Chrampf" hat sich gelohnt 

Unten am Meer angekommen, gab es eine Pause. Bis ich den Fahrplan für das Expressboot las. Da brach kurz Hektik aus und wir machten Powerhiking zum Schiffsanleger. Um dann zu merken, dass heute ja Samstag ist und das Schiff um die Zeit gar nicht fährt. Super! 4 Stunden Wartezeit. Was tun? Logisch: weiter gehen. Ins hinterste Eck der Insel. Wo es vermutlich das einzige Kaffeehaus gibt. Wenn es denn nicht, wie heute, geschlossen ist wegen einer Hochzeitsgesellschaft. Der Wirt war sehr nett und gab uns gratis Kaffee und Tee aus. Verbunden mit der Info, dass heute die norwegische Königin Sonja auf den Berg Øksnesheia gewandert sei. Ob das stimmt? Der Wirt insistierte jedenfalls, als ich meine Zweifel äusserte. Ihr erinnert euch an einen anderen Blogeintrag, in dem die ca. 75-jährige Dame vorkam? Ebenfalls als Wanderin. Weiter seien heute von Bergläufern 4 Elche gesichtet worden. Auf der Insel leben rund 50 Stück der Viecher. Plus Rentiere. Wir hingegen sahen einen Seeadler seine Kreise drehen und scheuchten im Aufstieg ein paar Birkhühner und oben ein paar Schneehühner auf. 

Jep, was ist nun mit den 4 Stunden? Wir legten uns bei der Kirche ins Gras. Kurz darauf kam das Expressboot, welches eigentlich in die falsche Richtung fuhr. Nochmals wurden wir kurz hektisch, packten alles zusammen, stiegen spontan zu und es hat sich gelohnt! 3 Stunden lang schipperten wir durch Fjorde, hatten wunderbare Aussichten auf die Berge der Vesterålen und genossen die Fahrt. Noch selten waren wir so froh, einen Fahrplan falsch gelesen zu haben. 


Und was wir sonst noch so sahen heute 



Freitag, 9. August 2013

Vogeljagd und kulinarischer Halt

Gestern Nyksund, heute Nykvåg. Besuch eines kleinen Ortes unten an der Westküste der Vesterålen. Angeblich gibt es dort Vogelfelsen und man kann die Vögel auch ohne Boot fotografieren. Nun ja. Das ist sicher so. Nämlich dann, wenn man ein Weltraumteleskop oder so hat. Ansonsten sieht man zwar aus der Ferne Felsen mit Kormoranen drauf. Die sind aber doch zu weit weg. Tja. Dafür hockte heute ein Seeadler auf einem Stein und wurde zum Fotoobjekt. Singschwäne fanden wir, zum Abschluss einen Fischreiher und auch die obligaten Austernfischer waren unterwegs. Über alles gesehen ein landschaftlich schöner Ausflug in ein Nest, wo sich Fuchs und Hase gute Nacht sagen. Oder eher Schwan und Schaf? 


Vogelwelt in Nykvåg - mit Schafen 

Am Abend fuhren wir auf dem Heimweg wieder raus nach Nyksund. Dort, wo wir gestern ein Restaurant fanden, das uns spontan gefiel. Heute assen wir dort einen feinen Znacht. Trudy: Es war superfein! Die Bilder sprechen Bände. 


Kafe Restaurant Ekspedisjonen in Nyksund - man isst dort sehr gut!