Samstag, 14. September 2013

400 kleine Holzhäuser

In Luleå haben wir heute seit langem das erste Mal wieder ein Stadtgefühl gehabt. Die Innenstadt ist belebt, es hat Läden und die Leute flanieren. Leider lag eine hartnäckige Hochnebeldecke über der Stadt. Der Nebel riss nur für ein paar Minuten auf. Dafür ist es nach wie vor sehr mild. 16 Grad sind angenehm.

Bevor wir in Luleå ankamen, sind wir Gammelstad, die alte Kirchenstadt, besuchen gegangen. Das ist das alte Zentrum von Luleå. Ein Unesco Weltkulturerbe. Über 400 kleine Holzhäuser versammeln sich um eine grosse Kirche. Die Häuser wurden gebaut, damit die von weit her angereisten Kirchgänger übernachten konnten. Und sie werden noch heute gebraucht. Die alten Häuschen sind sehenswert. Es gibt in Schweden nur noch wenige Beispiele für solche Kirchenstädte. 

Mit dem Hotel haben wir ein Schnäppchen gemacht. Wir hatten wohl noch nie, auch nicht früher, ein Hotelzimmer mit eigener Sauna. Klein, aber fein. Im Zimmer steht eine grosse Lederpolstergruppe. Wir haben so richtig viel Platz. Und das für umgerechnet CHF 150.00. Wir können vom grossen Konferenzhotel profitieren. Die stehen über die Wochenende oft fast leer. Und bieten dann einmalig günstige Konditionen an. So wie hier: Wo das Zimmer die Hälfte des Normalpreises kostet. Das Nachtessen gab es als Buffet. Einfach, aber gut. Für CHF 18.00. Nach den Preisen in Norwegen ist das hier in Schweden ungewohnt günstig. 


Eindrücke aus Gammelstad bei Luleå

Impressionen aus Luleå

Freitag, 13. September 2013

Felchen, Haglöfs und Müdigkeit

Die Lichterjägerin und der Lichterjäger sind müde. Da es heute Wolken hat, gehen wir früh ins Bett und lassen die Jagd nach Polarlichtern ausfallen. Die Aufnahmen von gestern finden wir so gelungen, die könnten wir heute nicht toppen.

Wir sind in Haparanda angekommen. Der Ort liegt direkt an der finnischen Grenze und ist mit Tornio in Finnland quasi aneinandergebaut. Die Leute sprechen vorwiegend finnisch. Interessant ist, wie es geschichtlich dazu gekommen ist. Hier mündet der Torneälv in den Bottnischen Meerbusen. Der Torneälv hat uns seit Kiruna begleitet. Er ist der Fluss, der aus dem grossen See Torneträsk fliesst. Der Troneträsk wiederum ist der See, an dem Abisko liegt. Der Fluss ist rund 410 km lang.


Kurz vor Haparanda kommen wir am Kukkolaforsen vorbei. Der Ort hat in Sachen Fischerei historische Bedeutung in Schweden. Bis heute werden hier direkt aus den Stromschnellen des Torneälv Felchen gefangen. Und zwar von Hand, mit einem Kescher an einer langen Stange. Wir schauten den Fischern, die auf wacklig wirkenden Stegen über dem Fluss stehen, zu. Sie haben tatsächlich Fische aus dem Wasser gefischt.


In Haparanda ist rein gar nichts los. Das Stadtinnere ist leer und wirkt wie ausgestorben. Das ganze Leben spielt sich im Gürtel ab, wo die grossen Einkaufszentren und Läden liegen. Ikea, ICA, Systembolaget und wie sie alle heissen. Auch ein Outlet von Haglöfs ist zu finden. Wir haben den Laden durchstöbert. Und das Wunder ist geschehen: wir haben nichts gekauft :-)


Unser Logis hier ist eine Trouvaille. Die "Sverigefinska folkshögskolan", die Schwedisch-Finnische Volkshochschule, betreibt ein Hotel und eine Jugendherberge. In alten, zum Teil historischen Gebäuden, liegen die Zimmer. Das Haus mit unserem Zimmer war ursprünglich einmal eine Kaserne. Das muss aber etwa 100 Jahre her sein. Wir können selber kochen. Was beim gastronomischen Angebot hier die beste Lösung ist.

Am Mittwoch, 17. Juli 2013 haben wir den Polarkreis in nördlicher Richtung mit der Fähre überquert. Heute, am 13. September 2013, also fast 2 Monate später, überfuhren wir ihn in südlicher Richtung wieder. Es liegt sicher nicht am Polarkreis. Aber heute Abend wurde es uns so richtig bewusst, wie früh es bereits dunkel wird. Sonnenuntergang ist bereits um 18.59 Uhr.



Oben Links: Fischsteg für Felchenfang / Oben Rechts: Pausenstühle für Fischer
Unten Links: Fischreusen / Unten Rechts: Unser Logis in Haparanda

Lichterjäger in Gällivare

Kurz nach 22.00 Uhr wird es auf dem Campingplatz hörbar laut. Rufe hallen durch die Nacht. Die Vermutung bestätigt sich. Am Himmel pulsieren Polarlichter. Wir packen die Fotoausrüstung und fahren Richtung des am Nachmittag rekognoszierten Platzes. Kaum dort, geht am Himmel die Show mit Vollgas los. 

Wir sehen Polarlichter wie wir sie bis jetzt noch nie gesehen haben. Hell, pulsierend, Formen bildend, in Wellen über den Himmel laufend. Einfach nur schön. Wir staunen. Und können unser Glück kaum fassen. Seit Samstag jeden Tag Polarlichter. Und heute die vermutliche Krönung. Denn ab Morgen soll es bewölkt sein. 

Canon EOS 7D // Objektiv 10-22mm f/3.5-23 // ISO640 // F/3.5 // Brennweite 10mm // Belichtungszeit 6s // unbearbeitet

Canon EOS 7D // Objektiv 10-22mm f/3.5-23 // ISO640 // F/4 // Brennweite 24mm // Belichtungszeit 15s // unbearbeitet

Canon EOS 7D // Objektiv 18-200mm f/3.5-23 // ISO640 // F/3.5 // Brennweite 20mm // Belichtungszeit 15s // unbearbeitet

Donnerstag, 12. September 2013

Langsam gen Süden

Polarlichter gab es auch heute Nacht. Leider war der Himmel stark bewölkt. So spielte sich das Schauspiel mehr hinter den Wolken ab. Deshalb schlief ich seit Tagen wieder mal ausgiebig. Was ich nach den langen Nächten nötig hatte. 

Abschied von Abisko nahmen wir heute. In Abisko hat es uns sehr gut gefallen. Weiter gefahren sind wir nach Gällivare. Wo uns bei der Ankunft auf dem Campingplatz eine grössere Hütte als das reservierte Modell zugewiesen wird. Die bestätigte Hütte steht gar nicht zur Verfügung. Zum Glück habe ich eine Reservationsbestätigung. Auf dem Camping ist viel los. Und wir dachten, es sei Saisonschluss und tote Hose.

Auffällig ist die grosse Zahl von Leute mit Jagdhunden. Das kann doch kaum daran liegen, dass in Schweden bereits Elchjagd ist. Nach einem kurzen Gespräch mit den Männern von der Nachbarhütte ist klar. Ab Freitag bis Sonntag finden hier Meisterschaften im Vögel jagen statt. Gällivare ist bekannt als guter Standort für die Jagd nach Auerhahn und Birkhuhn. Die Teilnehmenden sind die Hunde, die in verschiedenen Kategorien starten. Von überall her treffen die Jägerinnen und Jäger ein. Das Wetter sei zwar toll (schön und mit 14 Grad mild), aber zu warm. Es müsste einiges kälter sein. Der Klimawandel sei seit ein paar Jahren klar feststellbar und hätte Auswirkungen auf die Natur. Erklärt mit der eine Jäger. Heute Abend lese ich auf der Wetterseite von den wärmsten Septembertagen in Nordnorwegen seit 75 Jahren. 

Nahe vom Campingplatz hat es einen Berg. Der ist mit viel Skiinfrastruktur erschlossen. Wir fahren hin und finden ein grosses Langlaufstadion. Alpine Anlagen gibt es ebenso wie eine Sprungschanze. Das sieht wichtig aus. Ein Check im Internet zeigt: Gällivare ist für Langläufer ein wichtiger Weltcup Standort. Was die Bauerei im Stadion um im angrenzenden Wald vermutlich erklärt. Da wird eine 1a Infrastruktur hingestellt. 

Der Berg eignet sich dank seiner Ausrichtung gen Norden auch gut für das Beobachten von Polarlichtern. Die strategisch gute Position ist rekognosziert. Bereit sein ist alles. Mal sehen, ob wir ausrücken werden oder nicht. 


Oben Links. Blick auf Gällivare / Oben Rechts: das Skistadion grafisch
Unten Links: Unser Logis auf dem Camping / Unten Rechts: Jagdhund 

Mittwoch, 11. September 2013

Bahnfahrt nach Narvik

Zug statt Bus - es hat geklappt mit der Ofotenbahn. Bei wolkigem Wetter zuckeln wir gen Narvik. Die Fahrt führt hoch oben am Hang durch das Gelände. Die aus den Beschreibungen hervorgehenden technischen Herausforderungen bei Bau und Unterhalt der Strecke werden sichtbar. Unzählige Tunnels werden durchquert und viele Brücken überfahren. Stellt man sich die Fahrt im harten nordischen Winter vor, wenn viel Schnee liegt und die Temperaturen bis -40 Grad fallen, fröstelt man fast. Die Strecke wird ausgebaut. Dient sie doch primär dem Transport von Eisenerz. Der Abbau boomt. Somit braucht es Transportkapazität.

Mit dem Wetter haben wir Glück. Regen und Sonne mischen sich. Die schönste Strecke fahren wir im Sonnenschein. In Narvik, wo wir Anfang August schon waren, sitzen wir im Kaffee und warten auf den Bus. Der uns wieder nach Abisko fährt.


Ob das Wetter auftut? Heute ist Stufe 4 bei den Polarlichtern. Das ist aktiv. Einen so hohen Wert hatten wir noch nie. Es wäre schön, wenn wir gute Sicht hätten. Denn wir bewegen uns nach Süden und die Chancen auf Polarlichter werden täglich kleiner. 

Ofotenbahn 

Vor einem Einkaufscenter in Narvik - man beachte das Foto unten rechts

Lichterjäger - die Fortsetzung

Die Lichter waren heute wieder da. Sogar direkt vor der Abisko Turiststation. Wie auf dem Silbertablett serviert. Die Intensität war heute relativ hoch. Wir haben das noch nie so gesehen. Nicht mal im Winter auf den Lofoten. Die Stärke nahm mit der Zeit ab. Der Nebel kam wieder stockdick. Und so war um gut 02.30 Uhr Schluss mit der Vorstellung. Der Fotograf merkt die kurzen Nächte langsam. 

Canon EOS 7D // Objektiv 10-22mm f/3.5-23 // ISO640 // F/11 // Brennweite 10mm // Belichtungszeit 213s // unbearbeitet



Dienstag, 10. September 2013

Flexibel muss man sein

Zuerst dies: Heute Abend, auf der Rückfahrt von Kiruna nach Abisko. Stopp in Parkplatz 1 um Fotos zu machen. Hinter uns fährt ein Auto rein. Und auf einen Schlag fluten 6 Japaner den Parkplatz. Ein Fotostopp weiter. Ich öffne die Beifahrertüre, und stehe fast auf ein Rentierbein. Das liegt einsam am Strassenrand. Ziemlich frisch und behaart. Stellt sich die Frage, wie das dorthin kommt. Und vor allem: wo ist der Rest des Rentiers?

Am Morgen wollen wir mit der Ofotenbahn nach Narvik. Stockdicker Nebel herrscht. Sehen wir überhaupt etwas? Beim Bahnhof die Enttäuschung. Der Zug fährt nicht. Er wird durch einen Bus ersetzt. Dumm gelaufen. Ist die Eisenbahnstrecke nach Narvik doch genau die Attraktion Nummer 1. Wir kehren um und entscheiden uns, Kiruna zu besuchen.

Kaum weg aus Abisko lichtet sich der Nebel. Blauer Himmel und Sonnenschein. In Kiruna kaufen wir noch schnell ein paar Schuhe und Socken für mich. Ein Paar Trekkingsocken hat sich im Fjäll in Lochsocken verwandelt. Dann geht es in die Eisenerzmine. Die Führung ist wirklich gut und zu empfehlen. 540 Meter unter Tage scheint die Sonne zwar nicht. Dafür sind die Informationen spannend und man lernt viel zum Eisenerzabbau hier oben über dem Polarkreis. 

Kiruna wird in den nächsten Jahren umziehen. Der Abbau schreitet voran und erreicht die heutige Stadt. Bereits sind erste Zeichen sichtbar. Der Bahnhof hat seit dem 1. September 2013 eine provisorische neue Heimat gefunden. Dort wird er bis ca. 2017 stehen. Wohin der neue, definitive, Bahnhof zu stehen kommt, ist noch offen. Der Umzug und die Gründe dafür sind in diesem Zeitungsartikel kurz beschrieben. 

Abends fahren wir zurück. Wunderbare Stimmungsbilder sehen wir. Nebel, See, Wolken, Sonnenuntergang und vieles mehr verzaubern die Landschaft. Und das Begleitprogramm gemäss Einleitung tut seinen Teil dazu.